Montag, 22. August 2011

20 Jahre Russische Föderation

Am 19. August 1991 rollten Panzer durch Moskau. Putschisten versuchten die Reformen von Glasnost und Perestroika rückgängig zu machen. Präsident Michail Gorbatschow wurde gefangen genommen,  Premier Boris Jelzin verschanzte sich im Weißen Haus. Zur Verteidigung des Regierungsgebäudes versammelten sich tausende Moskowiter. Am 21. August wurden die Putschisten festgenommen.Die Reaktion der Russen damals, zeigt ihren Willen nach Veränderung, ihr Bewusstsein für Zivilcourage. Es fragt sich, was aus den nach Demokratie verlangenden Russen geworden ist.

Wenn sich eines klar sagen lässt, ist es, dass die 90 Jahre eine verpasste Zeit für die demokratische Entwicklung Russlands waren. Zunächst wurde sich eine Verfassung gegeben, die einen konstanten Machtkampf zwischen Präsident und Premier hervorrief – das muss nicht unbedingt schlecht sein. Dann wurde allerdings das Tafelsilber – die Staatsbetriebe – nach und nach zu fragwürdigen Bedingungen verkauft. Als nächstes stürzte das Land 1996 direkt auf seinen Bankrott zu. Gerettet wurde es und vor allem Präsident Jelzins Wiederwahl durch mehr als rechtswidrige Finanzierungsabkommen (Geld jetzt - Vorkaufsrechte bei Privatisierungen später) mit den damals noch nicht so genannten Oligarchen, die dadurch aber zu solchen wurden. Unterschätz hatten dabei alle das im geheimen an die Macht strebende Netz ehemaliger KGBler – allen voran Wladimir Putin, der 1999 Premier, dann Präsident wurde. Unter ihm sollte aufgeräumt werden mit dem Ausverkauf des Landes. Seine harte Hand führte zum Ruin mehrerer reicher Oligarchen, die politische Ambitionen zeigten. Die einen flohen nach Großbritannien, die anderen wurde ins Gefängnis geworfen und werden unter immer neuen fadenscheinigen Anschuldigungen dort festgehalten.
Inzwischen wurden die Reichen reicher und die Armen ärmer. Moskau wurde zu teuersten Stadt der Welt. Die Gesellschaft wurde konservativer und zunehmend Radikaler. Journalisten und Ausländer zu töten war Mode, große Umzüge und Jugendzeltlager der regierenden (um nicht zu sagen herrschenden) Partei „Einigkeit“ ebenso. Und nun, kurz vor dem Präsidentschaftswahlkampf bietet sich folgendes Bild: Putin und Medvedev, die eigentlich beide Wahlkampf machen sollten gehen gemeinsam angeln und tauchen und und und. Keine Rede von einer möglichen Präsidentschaftskandidatur der Beiden.
Na, an was erinnert uns das? Ja, da war doch mal was in ferner Vergangenheit! Das ganze nannte sich KPdSU und das Land Sowjetunion, minus natürlich dem Kapitalismus.
Herzlichen Glückwunsch du „demokratisches“ Russland!
Das Lied, dass die letzen 20 Jahre des kommunistische Systems perfekt beschreibt und ebenso in die heutige Zeit passt, ist Zvezda po imini solnce (Ein Stern namens Sonne) der Band "Kino" mit dem legendären und leider zu früh verstorbenen Frontmann Viktor Tsoi. Hier auch die englische Übersetzung des Textes

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