Sonntag, 9. März 2014

Eine Woche Rettungsstelle


Meine Zeit auf der Gynäkologie war letzte Woche vorbei. Die nächsten 15 Tage soll sich bei mir alles um Notfallmedizin drehen. Also kam ich am Montagmorgen motiviert im Sekretariat der Rettungsstelle an und wurde gleich nett empfangen.
Der Rettungsstelle angegliedert ist die IMC (=Intermediate Care Unit - Station zwischen Intensiv- und Normalstation). Deshalb beginnt mein Tag immer zunächst mit der Visite auf der IMC. Als die unter lauter fremden Menschen überstanden war, konnte ich mich auch erst einmal bei allerhand Leuten vorstellen.
Danach sollte es gleich losgehen. Der PJler und ich gingen rüber in die Rettungsstelle. Die ersten Patienten waren auch schon da. Zunächst durfte ich noch zuschauen, aber nach der Frühbesprechung musste ich dann gleich selbst ran. Mein Patient kam mit Schmerzen im Sprunggelenk. Auf dem Protokoll des Rettungsdienstes stand „Verdacht auf Thrombose“. Ein dankbares Thema zu Anfang. Also schnell noch einmal den Wells-Score (= Score zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit einer Thrombose) im Internet gecheckt. Dachte ich. Na ja, die Tücken der Technik wollten das nicht ganz zulassen. Da ich als Famulantin leider keinen eigenen Zugang zum Internet und dem Arbeitsprogramm der Klinik bekam, hatte ich ein kleines Problem - bis ich herausfand mit welcher speziellen Homepage-Adresse Wikipedia auch ohne Passwort zu erreichen ist. Huh, erste Hürde war genommen und ich konnte den Patienten weiter befragen und untersuchen.
Danach gleich das nächste Problem. Wie komme ich an die Labordaten heran, wie konnte ich ein Röntgen anmelden und was muss ich dabei alles ausfüllen und ankreuzen???? Dank kompetenter Hilfe des PJlers lernte ich auch das. Nach einer gefühlt unendlichen Zeit, hatte ich anhand von klinischen Zeichen und Laborbefunden endlich die Thrombose ausgeschlossen.  Mit Hilfe vom Chirurgen konnten wir dann auch die Ursache der Schmerzen finden und der Patient konnte mit Schmerztabletten und dem Rat einen Orthopäden aufzusuchen nach Hause entlassen werden. Ach nee, da war doch noch etwas! Es muss ja auch noch ein Entlassungsbrief geschrieben werden! Daran durfte ich mich auch gleich mal probieren.
Nach 3 Stunden für einen Patienten hatte ich es geschafft! Er konnte gehen, mein Kopf war zum Überlaufen voll und mein Magen hing in den Kniekehlen. Es war Zeit für die Mittagspause! Also tastete ich vorsichtig bei meinem Kollegen vor, ob man so etwas überhaupt in einer überlaufenden Rettungsstelle machen würde. Ich hatte Glück gehabt und musste nicht verhungern.
Der Tag sollte dann mit einem Wiederbelebungstraining nach 9,5 Stunden ein Ende finden. Das Training frischte noch einmal die schon an der Uni gewonnen Grundlagen auf und zeigte mir wie viel noch fehlt bis zum Notfallmediziner. Mit brummendem Kopf ging ich nach Hause.
Am nächsten Tag sollte sich aber das im Training Aufgefrischte gleich anwenden können.
Eine Patientin mit einer schweren Lungenerkrankung wurde auf die IMC verlegt. Sie hatte eine schlechte Atmung, was damit endete, dass ihr Herz nicht mehr pumpte und sie reanimiert werden musste. Die Ärzte, die mit Herzdruckmassage den Kreislauf in Gang halten wollten, bemerkten, dass es sich immer schwerer drücken lies. Dies ließ letztendlich einen der Ärzte vermuten, dass die Patientin eine Pneumothorax (=Luft zwischen Lunge und Brustwand, wo sie nicht hingehört) hatte. Ohne einen Beweis dafür zu haben, aber in der Not handeln zu müssen, machte er eine Nadeldekompression, d.h. er stach mit einer Kanülen oberhalb der 3. Rippe in die Brust. Es zischte. Er hatte Recht. Das Zischen kam von der entweichenden Luft aus der Brust. Die Gefahr bei dieser Methode besteht darin, erst einen Pneumothorax zu erzeugen, wäre die Vermutung des Arztes falsch gewesen. Damit würde man die Chance auf das Überleben noch weiter verringern.
Na ja, irgendwann nach 20 min Reanimation als schon alle erschöpft waren, kam mein Einsatz. Ich durfte auch mal. Es ist etwas komplett anderes einen Menschen, der in einem Bett liegt, wieder zu beleben als eine Puppe, die auf dem Boden liegt. Die Position aus der man drücken muss, ist eine ganz andere - sehr viel schlechtere. So dass ich zwischendurch Angst hatte gar nicht richtig zu drücken, aber ein Blick auf dem Monitor, der die Sauerstoffsättigung des Blutes anzeigte, beruhigte mich. Sie war nicht so schlecht wie ich dachte und auch das umstehende Personal beanstandete nichts. Vielleicht weil sie wussten, dass es die Patientin nicht schaffen würde oder auch nicht. Das Herz fing trotz zahlreicher Medis nicht wieder anzuschlagen und die Lunge war aufgrund der Krankheit zu stark geschädigt.
Nach ein paar ruhigen Minuten musste jeder wieder seiner eigentlichen Arbeit nachgehen. Für mich ging es wieder in die Rettungsstelle, wo schon viele neue Patienten warteten.
Die anderen Tage waren eher unspektakulär. Natürlich immer an den Tagen, an denen ich im NEF (=Notarzteinsatzfahrzeug) mitgefahren wäre, kam kein einziger Einsatz für den Notarzt rein. :( Zudem kommen immer mehr Patienten in die Rettungsstelle, die da gar nicht hingehören, sondern einfach nur langes Warten beim Arzt vermeiden wollen.
Vielleicht wird es nächste Woche besser. Hoffentlich!

Eure Dr. des. Knochenflicker

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