Fazit vorab: Ich kam zur Arbeit und wieder nachhause. Doch ein Spaß war es nicht und ich brauchte anstatt 55 min pro Tour jeweils 1h 15 min. Das hört sich nach kaum einem Unterschied an, doch jeder der täglich einen solch langen Weg zur Arbeit auf sich nehmen muss, weiß wie wertvoll jede einzelne Minute ist.
Vorsorglich hatte ich mich, eine Viertelstunde früher als normal, um 5 Uhr 45 (!!!) auf den Weg durch die morgentliche Dunkelheit gemacht.
Bevor ich Plan B (Tram, U-Bahn, U-Bahn) in Gang setzen wollte, riskierte ich einen Miniabstecher auf das S-Bahngleis und war freudig überrascht, dass in 2 min eine der nur im 20-Minuten-Takt fahrenden S-Bahnen eintreffen sollte. Und diese war dann auch nur zu Dreivierteln voll - offensichtlich waren alle S-Bahnnutzer auf den Streik eingestellt. Angekommen am Alexanderplatz stürmten alle Passagiere aus der Bahn und nahmen Kurs auf die drei U-Bahnlinien, die den Alex anfahren. Hinzu kamen nochmal ebenso viele Tramnutzer und das Chaos war perfekt.
Glücklicherweise hatte ich am U-Bahngleis einen Platz in der 2. Reihe der Wartenden ergattert und so gelang es mir gleich in die erste einfahrende U2 einzusteigen. 2. Reihe bedeutete aber auch nur Stehplatz - wenigstens in einer Ecke in der ich mich anlehnen konnte - direkt neben einem Herren mit heißem Kaffee in der Hand, der ihm fast die Hand zu verbrühen schien. Die nächste Viertelstunde verbrachte ich damit meine aufkeimenden Beklemmungsängste zu bekämpfen und zu hoffen, dass sich eben jener heiße Kaffee nicht jeden Augenblick über mich ergießen würde. Endlich stieg dieser Herr aus und mit ihm etwa die Hälfte aller Stehenden. Aufatmen!
Endlich, nach gut einer halben Stunde U-Bahn war ich am Ziel und musste mich im Büro ankommend erst einmal rehydrieren, denn gefühlt hatte ich mindestens einen halben Liter Wasser im Berliner Untergrund ausgeschwitzt.
Kurz nach halb Vier machte ich mich wieder auf den Weg nachhause. Fleißig hatte ich über den Tag die Berichterstattung im Radio gelauscht und war auf alles vorbereitet. Glücklicherweise ergatterte ich auch einen Sitzplatz - vermutlich weil ich noch außerhalb des S-Bahnrings einstieg - und konnte so den Gesprächen der Mitfahrenden lauschen. Da waren zwei Dozenten von der TU Berlin, die sich über Masterarbeitsprojekte unterhielten, eine Gruppe von Schülern und zwei alte Omas. Welten zwischen ihnen, doch vereint im Berliner Untergrund!
Mehr nach Tag 2 des Bahnerstreiks.
Und bitte, verklagt doch jemand die Maya wegen des Streiks!!!
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