Donnerstag, 3. Dezember 2009

Fringe History III - John Birch Society

Wer schon einmal Essays amerikanischer Autoren (z.B. Joan Didion, Gore Vidal) aus den 1960ern oder 70ern gelesen hat, wird schon über die Society gestolpert sein. Wenn man eine Gruppe als Verschwörungstheoretiker bezeichnen kann, dann ist es auf jeden Fall die John Birch Society.
Die John Birch Society (JBS) wurde am 9. Dezember 1958 in Indianapolis von Robert Welch gegründet. Ihr Name geht auf den amerikanischen Missionar John Birch zurück, der von chinesischen Kommunisten ermordet worden war und von der JBS als erstes Opfer im Kalten Krieg bezeichnet wird. Ziel der Organisation ist die vermeintlich wachsenden Gefährdungen der amerikanischen Verfassung zu bekämpfen. Laut Welch waren sowohl die amerikanische als auch die sowjetisches Regierung unter Kontrolle der gleichen internationalen Verschwörung aus korrupten Politikern und Bankiers. Er sah in den Liberalen geheime kommunistische Verräter, die Wohlfahrt forderten und dabei eigentlich Kollektivismus wollten.

Die Mitglieder der JBS verbindet offensichtlich ein außerordentlicher Hang zu Verschwörungstheorien. Eine ihrer ersten öffentlichen Aktivitäten war die Kampagne „Get US out!“ im Jahre 1959. Gemeint war damit die Mitgliedschaft der USA bei den Vereinten Nationen, die als eine Verschwörung zur Unterwanderung der amerikanischen Souveränität und der Errichtung einer neuen Weltordnung gesehen wurde. Die JBS ging sogar so weit Antikommunisten wie die Präsidenten Truman und Eisenhower oder Außenminister John Foster Dulles, den Vater der Roll Back Politik, als Werkzeuge einer kommunistischen Verschwörung zu bezichtigen. Zu den absurdesten Theorien gehört die von Robert Welch, welche besagt, dass Senator Robert Tafts Krebstod im Jahr 1953 auf ein Röhrchen Radium zurückzuführen sei, welches im Polster seines Sitzes gesteckt hätte. Hmm?
In den ersten Jahrzehnten der JBS stand der Kommunismus im Mittelpunkt ihres Wirkens. Anders als andere rechtsgerichtete Organisationen lehnen die JBS jedoch den Antisemitismus aber strikt ab. In einigen Publikationen des JBS wird der Antisemitismus als Komplott von Geheimgesellschaften gesehen, die für alles Übel auf der Welt verantwortlich sind.
Anfang der 1960er Jahre hatte die JBS zwischen 60.000 und 100.000 Mitglieder und verfügte über ein Organisationsnetz im ganzen Land.
Mit dem Ende des Kalten Krieges brach das Feindbild der Organisation ein. Heute konzentriert sich die JBS auf den Kampf gegen Beschränkungen des Waffenbesitzrechts und auf eine isolationistische Außenpolitik. Auf ihrer Homepage schreiben sie, dass sie in jedem Bundesstaat Netzwerke habe. Es ist offensichtlich, dass diese Beziehungen bis in die politische Führung reichen.
Ob die JBS etwas mit der mysteriösen „C Street Connection“ in Washington zu tun hat? Ausgeschlossen ist nichts und verdächtig ist alles.

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