Sonntag, 17. Januar 2010

Zwei tragische Helden in Berlin


Gestern Nachmittag spazierte ich an der Eastside Gallery entlang und war überrascht zwei mir vertraute Namen dort untereinander vereint zu sehen. Die tragische Komik des Ganzen wurde mir wenige Momente später bewusst.


Jurij Gagarin sollte noch jedem ein Begriff sein. Er war der erste Mensch im Weltraum, ein Flieger-Kosmonaut, ein gefeierter Held der Sowjetunion. Er verunglückte bei einem Übungsflug mit einer MIG-15 UTI. Sein Heldenstatus vereint ihn hier mit einer ganz anderen Art von Held. Vladimir Vysotsky, Schauspieler, Sänger, Liedermacher, sprach mit seinen Liedern den Russen der 1960er und 70er Jahre aus dem Herzen. Er stand dem Sowjetregime kritisch gegenüber und durfte deshalb den Großteil seiner Lieder niemals offiziell veröffentlichen. Seine Lieder kursierten unter der Hand in privat gefertigen, schlechten Kassettenkopien und seine Texte zirkulierten in millionenfachen Abschriften. Als Vysotsky im Juni 1980 an Herzversagen starb, erlebte Moskau eine der größten spontanen Versammlungen. 30.000 bis 40.000 gaben ihm das letzte Geleit. Sein Grab wurde zur Pilgerstätte.
Zwei sowjetische Helden - der eine ganz offiziell, der immer mit diesem Status zu kämpfen hatte, der andere der Held der Menschen, der dadurch in Konflikt mit den Herrschenden stand - vereint.

Vladimir Vysotsky

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