Vor einer Woche kannte kaum jemand in den USA Shirley Sherrod, eine Beamtin im Landwirtschaftsministerium. Doch dank der konservativen Meinungsmacher von FOX und eines zusammen geschnittenen Videos ist es ihnen abermals gelungen von der politisch erfolgreichen Woche der Demokraten abzulenken. Weder über das Inkrafttreten der Finanzreform noch über die Wiederaufnahme der verlängerten Arbeitslosengeldzahlungen, die immerhin mehr als 2,5 Mio. Amerikaner betrifft, wurde diese Woche so ausführlich berichtet wie über die 62-jährige Afroamerikanerin, die im Landwirtschaftsministerium für ländliche Entwicklung im Bundesstaat Georgia zuständig ist.
Die Nicht-Affäre um Sherrod begann damit, dass der Blogger Andrew Breitbart am Montag eine Aufnahme Sherrods auf seine Website stellte, die den Rassismus von Bundesangestellten beweisen sollte. Zu sehen war Sherrod bei einer Bürgerrechtsveranstaltung auf der sie von der Begegnung mit einem weißen Farmer berichtete. So wie der Film zusammen geschnitten war, konnte man verstehen, dass Sherrod dem weißen Farmer nicht die Hilfe zukommen ließ, wie einem schwarzem. Kurzum: Rassismus in der Obama-Administration!!! So lautete jedenfalls die Dauerberichterstattung von FOX am Montag.
Womit aber niemand gerechnet hätte, war, dass noch während der FOX-Berichterstattung Sherrod von ihren Vorgesetzten aufgefordert werden würde, zu kündigen. Jeder normale Mensch weiß jedoch, dass nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. Und so lag hier die Obama-Administration in ihrer Einschätzung der Situation voll daneben:
1. Sherrods Geschichte ereignete sich vor 24 Jahren, als sie noch nicht für die Regierung sondern für eine Non-Profit-Organisation arbeitete.
2. Den wichtigsten Teil der Rede ließ der Blogger jedoch weg. Darin sagt sie, sie Situation habe ihr aber "die Augen geöffnet" und gezeigt, dass Weiße genauso zu kämpfen hätten wie Schwarze. "Es gibt keinen Unterschied zwischen uns", so ihr Resümee.
3. Wie auch der betroffene Farmer klar stellte, ließ ihm Sherrod damals jede erdenkliche Hilfe zukommen. So konnte er seine Farm retten. Er wurde also kein Opfer von Rassismus.
Nun musste die Regierung ganz schnell wieder herumrudern. Landwirtschaftsminister Vilsack entschuldigte sich bei ihr, gestand ein seine Arbeit nicht gemacht zu haben und bot ihr einen neuen Posten an.
Bei so einer Schlappe der amerikanischen Regierung, sollte es niemanden mehr wundern, wenn inzwischen vom Obama-Paradox die Rede ist. Politisch macht der Präsident fast alles richtig, doch die kleinen Dinge, die daneben gehen, kommen ihm teuer zu stehen. Im Weißen Haus kann man sich daher inzwischen auf den Verlust der Mehrheit in beiden Häusern bei den Zwischenwahlen im November gefasst machen und nur hoffen, dass es nicht all zu schlimm ausgeht.
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