Freitag, 24. September 2010

Zwischen Morgen- und Abendrunde – Ein Resümee

Dies ist vorerst das letzte Mal, dass ich schreibe, denn mein Krankenpflegepraktikum ist vorbei. Im Rückblick ….hm… kann ich behaupten, es war das beste und lohnendste Praktikum, das ich je gemacht habe (von all denen, die ich vor dem Studium und im Studium gemacht habe – es waren so einige). Das macht mich echt glücklich, weil es auch das anstrengendste und aufwandreichste war. Hier also ein kurzes Resümee.

 Am ersten Tag fing ich ganz normal um Viertel vor 6 am Morgen an. Ich hatte gerade den Weg zu meiner Station gefunden und wurde mit offenen Armen (metaphorisch gemeint natürlich ;)) von meinem zukünftigen Team empfangen und sofort integriert in die „richtige Pflege“. Damit will ich sagen, dass man oft als Praktikant im Krankenhaus nicht immer alle Komponenten der Pflege kennen lernt, weil man (so ist es mir zumindest schon ergangen) eher als Bettenmachfrau oder Küchengehilfin oder sogar die Stelle einer Stationshilfe übernehmen muss. Aber das war hier anders. Ich durfte gleich bei der Morgenrunde (für alle Nicht-Mediziner: hier werden z.B. die Betten gemacht, man fragt Vitalwerte ab, etc.) aktiv tätig werden und subkutan meine erste Antithrombosespritze setzen – unter Anleitung natürlich – was bei mir einen Sturm von Glücksgefühlen ausgelöst hat.
Aber natürlich musste ich auch bei diesem Praktikum manchmal ganz normale Tätigkeiten eines Praktikanten/Hilfskraft übernehmen, wie Botengänge machen, Patienten in der Gegend herumkutschieren, Popos oder andere intime Bereiche säubern sowie die Patienten füttern, äh den Patienten das Essen anreichen.
Im Laufe des Vormittags meines ersten Arbeitstages wurde ich dann durch meine Kollegen und meinem Mentor eingearbeitet. So ist mein Mentor sogar mit mir und dem neuen Zivi durchs Haus (ein sehr großes Haus um genau zu sein, um nicht zu sagen riesig bis gigantisch) gegangen und hat uns alles gezeigt, was mir, ehrlich gesagt, echt noch nie passiert ist. Bisher musste ich ein neues Krankenhaus immer für mich allein erkunden.
Sprich als ich am Nachmittag nach Hause kam, war ich hellauf begeistert und konnte nur hoffen, dass sich dieser tolle Eindruck vom Krankenhaus auch während des einen Monats anhielt.
Besonders positiv war für mich zu erfahren, wie es ist, wenn das gesamte Team wirklich zusammenhält und es keine oder zumindest nur winzige Lästereien zwischen den Pflegern und Pflegerinnen gibt (Lästern ist ja schließlich gesund und befreit die Seele). Außerdem war es ein gutes Gefühl sich nicht vor Fehlern fürchten zu müssen, sondern als Lernende, die auch mal Fehler macht und nicht alles beim ersten Mal perfekt kann, wahrgenommen zu werden.
Aber nicht nur die Kollegen waren toll, sondern es war auch das erste Praktikum, in dem ich so richtig was in Sachen Pflege gelernt habe und mein Tätigkeitsfeld nach und nach immer mehr erweitert wurde bis z.B. hin zur eigenständigen Abendrunde. Das hat dann auch dazu geführt, dass ich zum ersten Mal Spaß an einem Pflegepraktikum hatte, sogar auch noch als ich Frühdienst hatte und um 3:50 aufstehen musste um meinen Bus pünktlich zu erwischen. Allerdings waren Früh- und Spätdienst gerecht verteilt, sodass ich mich noch nicht einmal darüber beklagen kann. Dies ist nämlich in den meisten Kliniken nicht der Fall. Normalerweise sind Praktikanten nämlich fast immer im Frühdienst zu finden, da dort die meisten Hilfstätigkeiten anfallen, wie Patienten Waschhilfe zu leisten. Der Dienstplan war sogar so gut geplant, dass ich zwei Mal drei bzw. vier Tage am Stück frei hatte. Das war fast wie Kurzurlaub.
Hinsichtlich des Spaßfaktors trat sogar die Tatsache, dass ich zum ersten Mal eine Aufwandsentschädigung für ein Pflegepraktikum (ist sehr selten in Deutschland, in anderen Ländern allerdings die Regel) erhalten habe, in den Hintergrund.
Den Umgang mit den Patienten im Krankenhaus fand ich besonders gut. So war ich am ersten Tag total überrascht darüber, dass die meisten Patienten geduzt wurden und das Pflegepersonal duzten. Erst nach und nach konnte ich mich daran gewöhnen. Ich hatte nämlich immer noch von den vorherigen Praktika das „Sie“ im Kopf und auf der Zunge. Von einem Patienten wurde ich sogar nach einiger Zeit aufgefordert ihn doch endlich mal zu duzen. Das Du im Umgang mit den Patienten hat ein intensiveres und intimeres Verhältnis zwischen Pflegepersonal und Patient aufgebaut.
Jetzt, nach meinem letzten Pflegepraktikum, kann ich endlich von mir sagen, dass ich Pflege (zumindest auf nicht-internistischen Stationen) interessant finde und es mir unendlich viel Spaß gemacht hat.
Das war‘s erst einmal von mir, aber das nächste Praktikum naht - in Form des Berufsfelderkundungspraktikum (huh was für ein langes Wort!); hm wo wird es dann wohl hingehen??….vielleicht in der Irrenanstalt, äh Psychiatrie oder doch die Umweltmedizin??

Bleibt gespannt!
Bis dann
Eure Dr. des. Knochenflicker

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