Donnerstag, 3. Februar 2011

Und er wehte ... zwei Tage lang

Es machte mich glücklich, wie er im Luftzug meiner Bewegungen wehte. Er war weiß – schneeweiß um genau zu sein -, hatte einen langen Schlitz auf der Rückseite, reichte mir bis zur Mitte meiner Unterschenkel und hatte zum Zuknöpfen keine stinknormalen Knöpfe – nein, er hatte Druckknöpfe. Er war mit drei großen Taschen ausgestattet, in denen jeder von Student bis Arzt das Wissen – in Form von Bücher, PocketCards, etc. - stecken konnte, das er nicht im Kopf hatte. Platz war auch noch für Stethoskop, Reflexhammer, Winkelmesser, Pupillenleuchte, Stauschlauch, eine Masse an Kugelschreibern und vielem anderen. Die Rede ist vom Arztkittel.

Ich durfte in den letzten zwei Tagen eines dieser fantastischen Exemplare tragen, was für eine Medizinstudentin vielleicht nichts Ungewöhnliches ist, denkt ihr euch jetzt, schließlich ist er Pflichtbekleidung im Präparierkurs und diversen vorklinischen biologischen, chemischen und biochemischen Praktika. Doch für mich war es das erste Mal, dass ich ihn im Krankenhaus tragen durfte (Als Pflegepraktikantin durfte ich bisher immer nur die Tracht der Pflegekräfte tragen.), denn ich war nun Berufsfelderkundungspraktikantin an der Universitäts-Kinder- und Jugendklinik. Sprich meine Aufgabe war es die Ärzte zwei Tage lang auf Schritt und Tritt zu verfolgen und ihr Berufsfeld zu erkunden. Das war zumindest mein Plan. Es sollte ein wenig anders kommen.
An meinem ersten Tag sollte ich um 7 Uhr morgens da sein, was mir schon ein wenig spanisch vorkam. Im Resultat hatte man mich eine Stunde zu früh hinbestellt, da die Ärzteschaft erst um 8 Uhr anfing. Also saß ich erst einmal eine Stunde bei den Schwestern herum. Als dann endlich die Ärzte eintrafen, war das so ein wenig nach dem Motto: Wir wussten zwar nicht, dass du kommst, aber wir können uns noch grad so daran erinnern, wie das bei uns damals war.
Es ging dann auch gleich los auf Oberarztvisite, die ganze anderthalb Stunden dauerte und von der ich nicht sehr viel verstand, da ich weder die Patienten noch ihr Krankheiten kannte und auch noch nichts von ihrer Behandlung verstand. Was erwatet man auch, wenn man eine Vorklinikerin zu den Klinikern steckt? Aber es waren ja auch noch zwei PJ’ler (Studenten im Praktischen Jahr ihres Studiums) dabei. Sie hatten wohl ein wenig Mitleid mit mir und flüsterten mit manchmal zu, worum es bei den Patienten ging.
Nach der Visite sollten dann zahlreiche Entlassungsbriefe geschrieben werden, wobei man mich als Praktikantin natürlich nicht gebrauchen konnte. Ich sollte mich selbst beschäftigen. Was macht man also als Praktikantin, die den ersten Tag auf einer Station ist, die man nicht kennt? Man setzt sich ins Schwesternzimmer und blättert ein wenig in den Patientenunterlagen herum. Nur hatte ich dabei nicht eingeplant, dass ich damit den Schwestern im Weg „herumsitze“.
Irgendwann waren dann tatsächlich sämtliche Briefe geschrieben und die ersten Patienten zur stationären Aufnahme eingetroffen. Also nahm mich eine PJ’lerin mit, um eine dieser Aufnahmen von Kopf bis Fuß durchzuchecken. Jetzt konnte ich endlich mal selbst sehen, abhören, -klopfen und –tasten. Ich konnte das wieder erkennen, was ich in zahlreichen Vorlesungen und Praktika schon gelernt hatte. Ein Lichtblick!
Mein erster Tag in der Kinderklinik endete schließlich mit einer Besprechung, in der sämtliche neu aufgenommenen Patienten des Tages vorgestellt wurden. Es war gerade mal 13.30 Uhr und ich wurde schon nach Hause geschickt. Als Pflegepraktikantin hätte ich mich darüber gefreut, aber jetzt wo ich endlich den Alltag eines Arztes miterleben durfte (das was ich schon immer machen wollte), war es für mich echt sch….
Am meinem zweiten Tag als Berufsfelderkundungspraktikantin sollte es noch schlimmer werden. Zunächst war natürlich wieder Visite und dann durfte ich mit einer Ärztin zusammen drei kleine schnuckelige Säuglinge bzw. Kleinkinder untersuchen und habe dabei gelernt, wie viel Kraft so ein kleines Menschlein entwickeln kann, wenn es sich gegen einen, zugegebener Maßen schlimmen Mundspatel wehrt (Ich muss zugeben, auch ich kann die Dinger mit meinen 20 Jahren immer noch nicht ab.). Aber danach war für mich dann auch schon wieder der Weg nachhause angesagt. Ich bekam eine Unterschrift unter meiner Bescheinigung meines Berufsfelderkundungspraktikums und durfte gehen.
Das war es also, mein Praktikum der Berufsfelderkundung. Auch wenn es nicht so interessant war, wie ich es mir vorgestellt hatte, habe ich doch wichtige Eindrücke daraus mitgenommen.

Damit ist für mich mein 3. vorklinisches Semester beendet. Jetzt habe ich zum ersten Mal in fast anderthalb Jahren anderthalb Monate vollkommen frei. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was ich mit so viel Zeit anfangen soll. Wer Vorschläge hat kann sich gern bei mir melden ;).

Dr.des. Knochenflicker, studiert Humanmedizin und wird sich irgendwann einen ordentlichen Doktortitel zulegen. Sie schreibt regelmäßig über ihre Erlebnisse, während diverser Praktika.

Bitte, bitte macht ihr unbedingt Vorschläge, was sie in ihren freien anderthalb Monaten machen kann. Sie hat nämlich schon gedroht, sich bei mir einzunisten!

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