Jede Entlassung hat dem Staat damit zwischen 22.000 und 43.000 US$ gekostet, worin die Kosten für das Entlassungsverfahren und die Ausbildung eines Ersatzes für den Entlassenen zusammengefasst werden.Diese Politik hat dem amerikanischen Staat nicht nur viel Geld gekostet und es notwendig gemacht militärisches Personal, sondern auch der gesamten Truppe geschadet. Damit wurde genau der gegenteilige Effekt erzielt, den man mit DADT im Auge hatte. DADT sollte nach Jahren des Ausschlusses Homosexueller vom Militärdienst unverzichtbare Talente im Militär halten, die Privatsphäre schützen, Moral, Bereitschaft und Zusammenhalt der Einheiten stärken. Doch was wurde erreicht?
Besonders weh tat DADT dem Militär durch den Verlust von qualifiziertem Personal mit wichtigen bzw. kritischen Kenntnissen. Während DADTs wurden 757 SoldatInnen mit „kritischen Fähigkeiten“ entlassen. Darunter waren Stimmenanalysten, Verhörspezialisten, Übersetzer, Sprengstoffbeseitigungsexperten, Waffen- und Verschlüsselungstechniker. Dreihundertzweiundzwanzig SoldatInnen mit wichtigen Fremdsprachenkenntnissen, allein 58 Arabisch sprechende SoldatInnen 2003, wurden gefeuert. Diese Zahlen beziehen nicht die hunderte von Ärzte, Krankenpfleger, Piloten, Militärpolizisten, Raketen- und Geschützexperten ein, die es durch DADT ablehnten ihren Militärdienst zu verlängern.
Dem Militär entstand allerdings nicht nur durch die Entlassung dieser Experten ein Schaden, sondern auch dadurch, dass sie dieses ohnehin schon in unterbesetzten Bereichen angesiedelte Personal nicht durch adäquaten Ersatz besetzen konnten.
Viel schwerer wiegt aber noch, dass auf Grund des Personalmangels vermehrt Vorbestrafte und Schulabbrecher rekrutiert wurden. Die Zahl der so genannten „moral waivers“ steig allein 2005 um 50% an. Dabei wird dieser Personenkreis häufiger unehrenhaft entlassen wird. Hier entstehen dem Militär also indirekte Folgekosten aus der DADT-Politik.
Don’t Ask, Don’t Tell wirkt sich auch negativ auf die Reputation des Militärs aus und erschwert so die Rekrutierung. So verweigerten seit 1994 2000 High Schools den Rekrutierern des Militärs den Zugang zu ihren Schülern. Das Pentagon bestätigte, dass ihnen innerhalb eines Jahres 19.000 Mal die Teilnahme an den in den USA üblichen Karrieretagen verweigert wurde. Dies alles zusammen genommen führte zu höheren operationalen Risiken und zu mehr Stress unter den SoldatInnen.
Ursprünglich sollte DADT den Zusammenhalt und die Moral der Truppe stärken, doch im Ergebnis unterminiert es das Vertrauen und die Ehrlichkeit unter den SoldatInnen.
Gleichzeitig führt das Verschweigenmüssen der eigenen sexuellen Orientierung zu der Zunahme von Mobbing untereinander. DADT schränkte LGB SoldatInnen in ihrer Fähigkeit ein, persönliche Beziehungen zu ihren Kameraden und Kameradinnen aufzubauen und viele verzichteten auch ganz darauf ihre Freizeit mit ihren Kollegen zu verbringen. Hier eröffnet sich ein neuer Rattenschwanz, denn wenn man nicht mit Freunden oder Kollegen über sein Privatleben sprechen kann, sollte man dies wenigstens mit Psychologen oder Militärpfarrern usw. tun können. Doch da es nicht garantiert ist, dass diese Personengruppe Schweigen über das ihnen Anvertraute bewahrt, blieb auch dieser Weg für viele schwule und lesbische SoldatInnen versperrt. Ganz besonders schwerwiegende Auswirkung hat ein solches Klima aus Paranoia, Verdächtigungen und Erniedrigung natürlich im Kampfeinsatz. Wundert es also, dass tausende SoldatInnen ihre Dienstzeit nicht verlängerten, obwohl sie zu den Fähigsten gehörten?
Hier zwei Beispiele zu den Auswirkungen von DADT:
Ein Freund von PV2 Alexander Nicholson sah den Brief an einen Ex-Freund und berichtete seinem Vorgesetzten vom Inhalt. Nicholson, ein mehrsprachiger Geheimdienstexperte, wandte sich an diesen Vorgesetzten, um den angerichteten Schaden einzudämmen, doch dieser meldete den Vorfall an den zuständigen Offizier. Nachdem man Nicholson mit einem Verhör und einer Untersuchung seines Privatlebens gedroht hatte, akzeptierte er unter Druck seine ehrenhafte Entlassung.
Major Margaret Witt, die lange Jahre die Abteilung für Medizinische Standards der Air Force leitete, wurde unter DADT aus der Air Force entlassen. Zeugenaussagen ihrer Kameraden bestätigen, dass durch den Ausschluss dieses hoch respektierten Offiziers die Einigkeit des Schwadrons nachhaltig geschädigt wurde.
1 Frank, Nathaniel (August 2010): Don’t Ask, Don’t Tell: Detailing the Damage. Palm Centre, Santa Barbara/CA; S. 12.
2 Williams Institute on Sexual Orientation and Gender Identity Law and Public Policy at UCLA School of Law (2010): Discharges under the Don’t Ask/Don’t Tell Policy. Women and racial/ethnic minorities. S. 2.
3 Die erste Zahl beruht auf der Berechnung des US Government Accountability Office, während die zweite auf der Analyse der Palm Centre Blue Ribbon Commission beruht. Gates, Gary J. (May 2010): Lesbian, gay, and bisexuell men and women in the US military: Updated estimates. The Williams Intitute, S. 2.
4 Bei falscher Angabe der sexuellen Orientierung im Rekrutierungsfragebogen drohte nicht nur die unehrenhafte Entlassung sondern auch militärrechtliche Konsequenzen
5 Frank, Nathaniel (August 2010)
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