Freitag, 16. November 2012

Prop. 8 - bald vor dem US Supreme Court?



Dies ist der zweite Artikel einer dreiteiligen Reihe, die sich mit den vor dem US Supreme Court anhängigen Klagen gegen den Defense of Marriage Act und Proposition 8 befasst. Die ersten beiden Artikel werden die genannten Klagen näher beleuchten während der dritte ihre Chancen vor dem Supreme Court untersuchen wird. Zum ersten Artikel hier.

Die Geschichte von Propositon 8 oder besser, des Ringens um die Öffnung der Ehe in Kalifornien ist eine Geschichte der positiven Schritte und der herben Rückschläge. Alles begann mit einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Kaliforniens im Jahr 2008, die das kalifornische Ehegesetz für verfassungswidrig erklärte. In den folgenden Monaten heirateten tausende homosexuelle Paare.
Die Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe machten dagegen mobil und kaum ein halbes Jahr später, im November 2008, fand eine Volksabstimmung statt, die die „Proposition8“ enthielt. Dabei ging es um einen Zusatz zur kalifornischen Verfassung, der bestimmte, dass "only marriage between a man and a woman is valid or recognized in California." Im Vorfeld der Abstimmung boten beide Seiten alles auf, was sie konnten, um die Wähler von ihrer Meinung zu überzeugen. Das Ergebnis war dann auch nicht so aussagekräftig, wie es sich die Konservativen gewünscht hatten. 52,24% der Wähler stimmten der Prop. 8 zu, während 47,76% sie ablehnten und das bei einer Wahlbeteiligung von 79,42%.
Spätestens da war den Vertretern der LGBT-Seite klar, dass vor ihnen noch ein Marathon, kein Sprint lag. Doch von diesem schweren Rückschritt ließen sich die streitbaren Enthusiasten nicht lange aufhalten und so kam es zu einer der kuriosesten Koalition in der amerikanischen Rechtsgeschichte. Zwei, den Staat verklagende Paare im sog. Fall Perry vs. Brown (vormals Perry vs. Schwarzenegger) ließen sich nämlich vor Gericht von Theodore B. Olson und David Bois vertreten, die sich noch 2000 vor dem Obersten Gerichtshof im Fall Bush vs. Gore um die Stimmauszählungen bei den damaligen Präsidentschaftswahlen gegenüber gestanden hatten. Ihr Fall landete auf dem Tisch von Richter Vaughn R. Walker vom 9. Circuit Court of Appeals und wurde von ihm im August 2010 positiv beschieden. Richter Walker, seinerseits vom Republikaner George H.W. Bush ernannt, entschied, dass der Staat kein legitimes Recht habe, homosexuellen Paaren die „Marriage License“, eine Art Ehe-Erlaubnis, zu verweigern. Mehr zu Richter Walkers Argumentation hier.
Die den Staat vertretende Gegenseite brachte den Fall natürlich wieder vor Gericht. Dabei ging es zunächst darum, die inzwischen bekannt gewordene Homosexualität Richter Walkers anzugreifen und das Urteil aufheben zu lassen. Nachdem dies nicht gelang, ging es vor die nächst höhere Instanz, die den Fall gegenteilig entschied. Und somit steht das Verfahren, dass sich inzwischen Perry vs. Brown nennen darf, weil es zumindest einen Gouverneur überstanden hat, kurz davor höchstrichterlich durch den U.S. Supreme Court entschieden zu werden.
Welche Chancen der Rechtsstreit hat, vom Obersten Gerichtshof entschieden zu werden, lest Ihr im nächsten Post dieser Reihe.

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