Wie ich ja schon andeutete, machte ich mich vor ein paar
Monaten auf den steinigen Weg hin zu meinem Doktortitel. Inzwischen kann ich
echt jeden verstehen, der seine Doktorarbeit hinschmeißen will. Ich stehe noch
am Anfang und trotzdem kotzt es mich jetzt schon an.
Nach einigem Hin und Her fand ich nach einer relativ langen Wartezeit ein
Thema für meine Doktorarbeit in meinem Wunschinstitut an der Uni. Wie ihr euch
sicher vorstellen könnt, musste es unbedingt etwas mit Chirurgie zu tun haben.
Also fing ich im Sommer mit dem Üben der schwersten chirurgischen Techniken
an. Damals fiel schon auf, dass mein Betreuer nicht gerade oft im OP (nein ich
operiere keine richtigen Menschen!) vorbei schaut. Naja, dachte ich, das wird
sicherlich besser, wenn ich erst einmal richtig anfange. Ich musste leider die
Erfahrung machen, dass sich Nichts änderte. Es tauchten immer wieder schwierige
Situationen auf, bei denen mir mehr andere Mitarbeiter halfen, weil mein
Betreuer mal wieder nicht anwesend war. Allerdings muss ich auch zu seiner
Verteidigung sagen - um wenigstens ein gutes Wort über ihn zu verlieren-, dass
er absolut spitze darin ist, seine Doktoranden zu trösten, wenn mal etwas nicht
so läuft, wie es soll (ich hoffe das wird jetzt nicht falsch verstanden
;)).
Jetzt ist es allerdings zum krönenden Höhepunkt gekommen. Mein Betreuer
verlässt das Institut. Und das erfuhr ich leider nicht von ihm als Erstes. Erst
mehrere Tage nachdem die Gerüchteküche schon zu einer Realitätssoap geworden
war, sagte er mir, dass er in sage und schreibe zwei Wochen(!) seinen
letzten Arbeitstag haben würde.
Ganz ehrlich? Ich las natürlich damals als ich nach einer Arbeit suchte
auch diese Ratgeberbücher zum Thema. Und immer wenn da was stand von Betreuer
und Arbeitsplatzwechsel dachte ich: Das wird mir schon nicht passieren.
Glücklicherweise war ich dank netter Menschen im Institut ein wenig vorgewarnt.
Zudem habe ich mit einer tollen Institutschefin das große Glück, dass ich mir
keine Sorgen darum machen muss, dass irgendwann meine Doktorarbeit aus welchen
Gründen auch immer ins Wasser fällt und ich am Ende ohne einen Dr. med.
dastehe.
Ich bin sehr gespannt, wie es am Institut weitergeht…. Ich werde euch
wieder berichten.
Eure Dr. des. (und bald med.) Knochenflicker
PS: Nach diesen wenigen Monaten mit der Doktorarbeit weiß ich schon jetzt -
sicher -, dass ich nie und nimmer in die Forschung gehen werde. Ich kann ehrlich
gesagt, niemanden verstehen, der sich das freiwillig antut. Es wäre ein Wunder,
wenn ich am Ende der Dr.arbeit kein Stressulkus im Magen habe. *Wo sind meine
Protonenpumpenhemmer????*
PPS: Aber ich bewundere alle Forscher der Welt, die sich jeden Tag
wieder aufraffen und sich das Ziel gesetzt haben, Unwissen zu beseitigen und
neue spannende Dinge herauszufinden.
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