Ein bittersüßes, leicht entsetztes „Wow!“ war das Einzige, zu dem ich gestern Abend fähig war, als ich die Nachricht von Justine Henins Rücktritt vom Rücktritt vom Profitennis las.
Ich möchte voran stellen, dass ich mir in den sechzehn Monaten ihrer Abwesenheit vom Tennis Circuit kaum etwas mehr gewünscht habe, als dass sie noch da wäre.
Aber nun … dieser Rücktritt von Rücktritt … ließ mich gestern Abend enttäuscht und im ersten Moment ohne Worte vor dieser Nachricht sitzen.
Am besten beginne ich am Anfang: Es war der 14. Mai 2007, ein Mittwoch, als Juju Henin zu einer Pressekonferenz in ihrem Tennisclub in Limelette/Belgien geladen hatte. Unter den Tränen ihres Coaches Carlos Rodriguez verkündete sie ihren sofortigen Rücktritt vom Profitennis. Persönliche Gründe seien der Grund oder wie ich schon damals der Ansicht war Perspektivlosigkeit, fehlende Motivation und körperliche (die Schulter, das Knie) und vor allem geistige Erschöpfung nach ihrem Erfolgsjahr 2007. Wie will man auch zehn Turniersiege in einem Jahr, davon zwei Grand Slams und die WTA-Championships, noch übertreffen?
Und wie alles was Justine anpackte, tat sie auch dies richtig (eine Einstellung, die sie der „Erziehung“ durch ihren Coach verdankte, der in den elf Jahren ihrer Zusammenarbeit mehr ein Vater für sie war als ihr eigener). Sie ließ sich mit sofortiger Wirkung aus der WTA-Weltrangliste streichen - ihre Art einen Schlussstrich zu ziehen – als Nr. 1 in der 117. Woche. Damit ging eine Ära zu Ende. Da war sich die ganze Tenniswelt einig. Eine Ära intelligenten Spiels, einer fantastischen einhändigen Rückhand (Ich sehe ihre Slice-Cross-Rückhand als Notschlag gespielt, die ihr die Möglichkeit zum Angriff beim nächsten Schlag eröffnete, vor meinem inneren Auge.), beherrschenden Sandplatztennis’.
Damals war ich geschockt, doch die Souveränität und die Integrität ihres Handelns machten mich gleichzeitig stolz, denn ich wusste, dass all die Werte, die Carlos ihr in den vielen gemeinsamen Jahren vermittelt hatte, nun zum Tragen kamen und sie auch in Zukunft in allem Anderen in ihrem Leben zum Erfolg führen lassen würden. Ihre Stiftung, ihre Tennisschulen (an denen sie Carlos großzügig beteiligt hatte), ihre Arbeit als belgische UN-Sonderbotschafter, ihre eigene Bildung …
Und nun sechzehn Monate später erklärt sie den Rücktritt vom Rücktritt. Die einen mögen glauben, dies geschehe im Nachhall des grandiosen Comebacks von Kim Clijsters, die gerade bei den US-Open ihren zweiten Grand-Slam Titel nach 2005 gewinnen konnte (und deren kleines Töchterchen Jada ihr glatt die Show stiel), doch ich hoffe, dass es eine von langer Hand geplante Sache ist - vor allem nachdem Jujus Knieoperation im letzten Herbst so gut verlaufen ist.
Die Gerüchte um ein Comeback verdichteten sich seit Mitte des Jahres als Justine wieder regelmäßig zu trainieren begann. Und die belgische Gerüchteküche heizte sich weiter auf als bekannt wurde, dass sie 14 Rackets bestellt hatte – die gleiche Anzahl wie zu ihrer aktiven Zeit.
Tja, und gestern dann das angekündigte Interview im belgischen Fernsehen. Hier einige von BBC übersetzte Zitate:
"I'm really happy and deeply moved to be able to announce tonight that I'm coming back to competitive tennis"
"I know it's surprising because on 14 May 2008 I put a definitive end to my tennis career but then there was a long personal path throughout these past 15 months, which was enriching.”
"I discovered a lot of things about myself and that allowed me to feel things again and then there was a flame that was re-lit which I had thought had been put out forever."
Juju erklärte den ihr noch fehlenden Grand Slam Titel in Wimbledon als Ziel. Das hatte sich auf ihrer Rücktrittspressekonferenz im Mai 2008 noch ganz anders angehört:„Winning Wimbledon would not have made me any happier.“Natürlich wird Carlos wieder an ihrer Seite sein und sie coachen. Er zum Ziel Wimbledon:"I can see her winning it. This fourth title, it is one of the reasons for coming back."Juju wird Anfang nächsten Jahres auf der australischen Tour ihr Comeback geben. An Angeboten für Wildcards dürfte es dabei nicht mangeln. Zunächst aber wird sie zwei Exhibitions in Charleroi und Dubai (ihrer zweiten Heimat) spielen. Zu der Vorbereitung darauf sagte sie:"It's hard when you used to be able to do things so well, as I did in the past, to have to start again from the basics, with patience which isn't my greatest quality.” "So I have a lot of work ahead of me but day by day I'm finding there are little things that are getting better.” "I think that the most difficult thing will be creating the foundations as I know I have slowed down and I used to be a really really quick player and that was my main quality but that will happen soon.”"I just have to be patient, accept that it will take time and work hard every day - and that's what I'm doing." Nun aber zurück zu meinem Punkt vom Anfang. Warum war ich gestern Abend neben all meiner Begeisterung auch enttäuscht? Weil ich mir gewünscht hatte, dass endlich mal jemand zu seinem Wort steht und nach einem freiwilligen Rücktritt (Ich meine damit nicht Rücktritte aus offensichtlich medizinischen Gründen.) bei seinem Wort bleibt. Okay, das ist ganz klar ein Wunschtraum meinerseits, der dem Wunsch nach etwas mehr Konstanz in unserer globalisierten Welt entspringt. Gut, ich gebe zu, man muss dies auch nicht so weit treiben wie Susan Sontag, die über 30 Jahre nach ihren Essays über Vietnam immer noch zu ihren Worten stand, obwohl sie inzwischen offensichtlich falsch waren. Aber zurück zum Tennis oder besser zum Profisport im Allgemeinen:Was würde jeder von uns tun, wenn er selbst mit 25 Jahren seinen Rücktritt vom Profisport erklärt hätte und zwei Jahre später sieht, dass er noch locker mit der Konkurrenz mithalten könnte? Er würde zurückkehren. Und seien wir mal ehrlich, das Damentennis war seit Justines Rücktritt ein einziges Desaster. Fünf neue Nr. 1, davon die meisten ohne Grand Slam Titel. Hochklassige Spiele waren selten. Weder Kuzi noch Amelie Mauresmo gelang es dauerhaft auf ihr
höchstes Nieveau zurückzukehren. Die Williams-Schwestern spielen ja sowieso nur die Majors. Dinara Safina war der einzige Lichtstrahl in grauer Mittelmäßigkeit.Hey, ich hätte ja sogar Maria Scharapova herzlichst zurück begrüßt, wenn ihre Schulter endlich vernünftig auskuriert gewesen wäre. (Und das will schon was heißen, denn allein der Name Scharapova führt bei mir schon zu … aber lassen wir das.)Also, ich warte gespannt auf das kommende Tennisjahr und freue mich auf das erste Match zwischen Juju und Kim Clijsters, das hoffentlich nicht all zu lange auf sich warten lassen wird. Ein Wunder, wie das Kim-Back, erwarte ich nicht von Justine, aber wer weiß …
höchstes Nieveau zurückzukehren. Die Williams-Schwestern spielen ja sowieso nur die Majors. Dinara Safina war der einzige Lichtstrahl in grauer Mittelmäßigkeit.Hey, ich hätte ja sogar Maria Scharapova herzlichst zurück begrüßt, wenn ihre Schulter endlich vernünftig auskuriert gewesen wäre. (Und das will schon was heißen, denn allein der Name Scharapova führt bei mir schon zu … aber lassen wir das.)Also, ich warte gespannt auf das kommende Tennisjahr und freue mich auf das erste Match zwischen Juju und Kim Clijsters, das hoffentlich nicht all zu lange auf sich warten lassen wird. Ein Wunder, wie das Kim-Back, erwarte ich nicht von Justine, aber wer weiß …
Justine Henin in Zahlen:
27 Jahre
1,67 m
seit 1999 Profi
7 Grand Slam Titel, 4 davon bei den French Open
2 WTA-Championships
41 Titel
Olympisches Gold 2004
World Sportswoman 2007
Mensch da hat es bei Dir aber gnaz schön reingehauen - nicht war?
AntwortenLöschenAber sieh es postiv Fensterputzen ist jetzt kein erklärtes Ziel mehr - bei kommenden Tunieren - du kannst wieder von anfang gucken!
Ja und wir alle wissen wieder wann wir nur mit deinem AB sprechen dürfen :)
Und ganz ehrlich - ich finde, dass jeder sich neu entscheiden darf. Wie wäre die Welt, wenn wir nicht unsere eigenen Entscheidungen reflektieren würden?
Aber langsam krieg ich Angst - Susan ist mit Dir...
Liebe Grüße Maya
Hey,
AntwortenLöschenso wollte dir jetzt endlich mal nen Kommentar schreiben ;-)
Also ... ja viel Spaß beim Fensterputzen =)!
Spaß bei Seite, du kennst ja meine Meinung dazu ... ich finde das wirklich ein wenig komisch, dass sie das gerade jetzt macht, wo Kim wieder da ist... also würde sie beweisen wollen, dass sie das auch kann (nur fehlt ihr dazu das Kind). Ich zweifle nur dran ob sie Wimbledon wirklich gewinnen kann...
Aber ich finde das Zitat mit der Flamme von ihr cool...
So liebe Grüße
Wir sehen uns ja Freitag!
Ju