Wenn man die amerikanische Medienberichterstattung des letzten Jahres verfolgte, kam man nicht darum herum, sich mit der Tea Party zu beschäftigen. Was sich anhört wie eine Gesellschaft Tee schlürfender Rentner ist in Wahrheit eine erzkonservative, bisweilen auch radikale Organisation, die so gegen ziemlich alles ist, was Präsident Obama oder die Demokratische Partei repräsentieren.Ihr Name ist an die „Boston Tea Party“ des Jahres 1773 angelehnt, die den Höhepunkt im Zoll- und Steuerstreit zwischen den 13 amerikanischen Kolonien und Großbritannien bildete.
Wie jene Tea Party fordert auch die heutige Bewegung weniger Bevormundung durch den Staat und niedrigere Steuern. Doch anders als ihr historisches Vorbild hat die heutige Bewegung noch keine festen Strukturen und keine klare Führung. Seinen Auftakt hatte die Bewegung in der „Tea Bag Campaign“, einer Aufforderung an alle Amerikaner ihre gebrauchten Teebeutel als Zeichen der Unzufriedenheit an ihre politischen Vertreter zu schicken. Der 1. Februar 2009 war als Stichtag für diese Aktion nicht nur symbolischer Natur, traf er doch den Tag der Vereidigung des neuen Präsidenten. Im Laufe des Jahres sammelten sich immer mehr Unzufriedene im Schoße der Tea Party und wurden von der radikalen Seite der Republikanischen Partei in ihren Aktionen gegen die Gesundheitsreform unterstützt. Als Sarah Palin dann auch noch Ende Januar zur Leitfigur dieser Bewegung wurde, sagte sich Annabel Park: Genug ist genug! Sie begann sich auf ihrer Facebook-Seite darüber aufzuregen und im Ergebnis rief sie die Coffee Party ins Leben. Inzwischen hat die Coffee Party ihre eigene Homepage und den Slogan: “Wake Up and Stand Up“. Anders als die Tea Party fordern die Kaffeetrinker eine ruhige und konstruktive Debatte der us-amerikanischen Probleme. Höflichkeit, Zusammenarbeit und Bekräftigung der Idee, dass die Amerikaner mehr gemeinsam haben, als dass sie sich unterscheiden – diese Ideen stehen laut Annabel Parks Interview in der Rachel Maddow Show am Freitag, dem 12.03. im Mittelpunkt der neuen Bewegung. Anders als die konservativen Teetrinker sehen die Kaffeetrinker den Staat und damit auch die Obama-Regierung nicht als Feind oder gar Teufel. Sie wollen den Staat verändern, sie wollen zurück zu einer konstruktiven Debatte, zurück aus dem Wahn, zurück auf den Boden der Tatsachen – das ist ihre Aussage. Inzwischen hat diese Bewegung 160.000 Anhänger, die am Samstag, dem 13.03., aufgerufen waren sich in kleinen Gruppen zu treffen und ihre Probleme und Sorgen zu diskutieren. Wie es mit der Coffee Party weitergeht, bleibt abzuwarten. Was fest steht ist, dass Amerika nicht nur aus dem Bible-Belt besteht, sondern es auch noch die demokratischen Amerikaner gibt.
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