Wie der gemeine Medizinstudent auf das Wort „Physikum“ (offizieller Name: 1. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung - aber etwas zu lang um dies dauerhaft zu benutzen ;)) reagiert, hängt immer davon ab, in welchem Studienabschnitt er sich gerade befindet. Ist er noch Vorklinker, so wird er höchstwahrscheinlich erweiterte Pupillen bekommen, einen leicht nervös-fahrigen Eindruck beim Betrachter hinterlassen und angeben, ganz schnell wieder an seinen Schreibtisch zurückkehren zu müssen. Ist er dagegen Kliniker und hat er damit das Physikum schon hinter sich gebracht, so wird er vermutlich ein Dauergrinsen im Gesicht haben und von den ganzen Glückshormonen in seinem Blut high sein . . . Hauptsache man kommt in dieser Verfassung in keine Polizeikontrolle - das könnte in einen kleinen Drogentest ausarten! Dreimal dürft ihr raten in welcher dieser Phasen ich mich gerade befinde - ja richtig geraten: ich laufe mit einem Dauergrinsen durch das Leben.
Es ist echt hart. Man hat gerade mal 6 Wochen Zeit um das Wissen aus vier Semestern „aufzufrischen“. Ja es ist tatsächlich nur ein Auffrischen - zu mehr kommt man auf Grund von Zeitmangel gar nicht. Am Anfang dieser Zeit bin ich durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen. Mit der Zeit oder besser gesagt mit dem Näherrücken des Physikums allerdings lernte ich (ja das geht auch noch!) einfach irgendwann zu sagen, dass ich nicht mehr machen kann als mein Bestes zu geben… auch wenn man dann vom Lernplan her ganz schön im Rückstand ist.
Der schriftliche Teil ist auch gar nicht so schlimm…schließlich hat man fünf Antworten und man muss nur eine davon ankreuzen. Sprich man hat sogar noch eine 20 %-ige Chance auch wenn man von Tuten und Blasen keine Ahnung hat! Ganz anders dagegen sieht es im mündlichen Teil aus. Hier bekommt man erst einmal eine praktische Aufgabe. Bei mir war es das Schultergelenk mit klinischen Beispielen. Praktisch heißt in der Anatomie auch, dass man da was in die Hand bekommt - also hatte ich das „große“ Glück auf meinem Platz eine schwarze Tüte aufzufinden. Gut, dachte ich mir, wird schon nicht so schlimm sein. Falsch gedacht - einmal in die Tüte rein gefasst und ich hatte ein glitschiges etwas in der Hand, das nur so triefte vor Formalin und zu einer Geruchsexplosion in meiner Nase führte. Was für ein Glück, dass ich mir zuvor einen meiner Präpkurs-Kittel übergeworfen hatte. Und ja, natürlich hatte ich Handschuhe an!
So nahm die Prüfung ihren Lauf. Weiter ging es mit Biochemie, dann noch einmal Anatomie und zu guter Letzt Physiologie. Und zack hatten meine drei Mitprüflinge und ich das Ganze mehr oder weniger gut überstanden und schon wurden wir vor die Tür komplimentiert, sodass unsere Prüfer unsere Noten festlegen konnten. Schon beim Hinausgehen war ich mir klar, dass ich gar nicht durchgefallen sein konnte. Ohne mich selbst loben zu wollen, ich war echt gut - wenn man mal von Anatomie absieht. Irgendwann wurden wir vier zusammen dann doch wieder hinein gebeten und die Noten wurden bekannt gegeben. Was für ein Glück - hätten sie jemanden einzeln rein geholt, hätte das bedeutet, er wäre durchgefallen! Ich konnte es in dem Moment gar nicht fassen, dass jetzt alles vorbei ist bzw. jetzt fängt es erst richtig an!
Klinik ich komme!!!!!
Eure Dr. des. Knochenflicker
P.S.: Ich befinde mich übrigens gerade in der Entscheidungsfindung, in welcher Fachrichtung ich mein nächstes Praktikum (jetzt übrigens Famulatur genannt) mache … ihr dürft mir gerne Anregungen geben!!
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