Samstag, 15. Oktober 2011

Occupy Wall Street goes Global

Seit fast vier Wochen protestieren Menschen in den gesamten USA gegen die Macht der Wall Street und das eine Prozent an Reichen, dass die USA fest im Griff hat. Inzwischen sind diese Proteste im Zeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise auch nach Europa und Deutschland übergeschwappt. Weltweit hatte das Bündnis „Global Change“ am Samstag, dem 15.10.11, zu einem Aktionstag aufgerufen. In knapp 1000 Städten in 82 Ländern wollten Menschen auf die Straße gehen. Etwa 5000 Menschen versammelten sich allein auf dem Alexanderplatz in Berlin, um ihre Kritik an den Finanzmärkten in einem Marsch zum Kanzleramt Ausdruck zu verleihen. Die deutschen und die amerikanischen Demonstranten eint die Forderung nach mehr politischer Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit.

Ausgangspunkt dieser neuen Protestbewegung, die sich selbst im Zeichen des Arabischen Frühlings und der Protestcamps in Spanien sieht, war der Aufruf #OCCUPYWALLSTREET von Adbusters (13. Juli), die Wall Street am 17. September zu besetzen und besetzt zu halten. Und so nahmen die Proteste im kleinen New Yorker Zuccotti-Park am 17. September ihren Ausgang. Eine geplante symbolische Besetzung der Wall Street wurde von einem massiven Aufgebot der Polizei vor drei Wochen verhindert. Am 1. Oktober gelang es ihnen aber die Brooklyn Bridge für mehrere Stunden zu besetzen, was mehr als 700 Festnahmen zur Folge hatte. Gleichzeitig fanden auch in einigen anderen amerikanischen Großstädten Demonstrationen statt. In Boston richtete sich z.B. die Demonstration vor der Bank of America gegen die Zwangsversteigerung von Immobilien, durch die seit dem Platzen der Immobilienblase tausende Amerikaner ihr Heim verloren haben. Alle Occupy-Wallstreet-Anhänger vereint, der Protest gegen den immer weiter auseinander driftenden Graben zwischen Arm und Reich. Die Süddeutsche belegt das mit einigen Zahlen: „Das Einkommen des bestverdienenden Tausendstels der US-Gesellschaft stieg von 1970 bis 2008 um 385 Prozent auf 5,6 Millionen Dollar pro Jahr, während jene 137 Millionen Amerikaner, die die nachfolgenden 90 Prozent in der Einkommenspyramide ausmachen, im gleichen Zeitraum keinen Cent dazu gewonnen haben und durchschnittlich lediglich über 31.244 Dollar Jahreseinkommen verfügen.“
Occupy-Wall-Street sieht sich selbst nicht als politische sondern als soziale Bewegung, die alle Gesellschaftsschichten und Alter anspricht. Ihnen ist es gelungen, die immer stärker von der Krise betroffene Mittelschicht zu aktivieren und sie mit Intellektuellen, Studenten und Rentnern in ihrem Protest zu vereinen.
Die Republikaner und die Tea Party versuchen inzwischen diese soziale Bewegung klein zu Reden und die Demonstranten als „growing mob[…] occupying Wall Street“ (Rep. Eric Cantor, House Majority Leader) zu bezeichnen. Und das ist noch harmlos. Natürlich meldete sich auch der Radiomoderator Glenn Beck zu Wort. Rachel Maddow hat die wichtigsten Ereignisse auf der Seite der amerikanischen Rechten zusammengefasst. Wer sich nicht alles ansehen will, sollte bei Minute 7:10 beginnen.



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Auch das ZDF berichtete in einigen Beiträgen über diese neue soziale Bewegung, so am 4. Oktober im heute Journal.

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