Donnerstag, 17. November 2011

Mein erstes Mal

… Blut abnehmen und Flexülen legen stand heute für mich im Skills Lab meiner Uni an. In jüngster Zeit wurden an verschiedenen medizinischen Fakultäten in Deutschland diese Skills Labs gegründet, wo man, wie der Name schon sagt, die „Skills“ erlernen kann, die man für das Überleben des medizinischen Alltags als kleiner, unwissender, nichts könnender, von seinen Chefs gebeutelter Famulant (ärztlicher Praktikant) benötigt. Aber nicht nur solche Sachen kann man sich dort aneignen, sondern auch beispielsweise so etwas sehr Spezielles wie der Neugeborenen-Notfall oder Intubation. Geleitet werden diese Kurse entweder bei solchen leichten Sachen wie Blut abnehmen von Studenten oder bei komplizierteren wie Ultraschall von Ärzten. Als Opfer, äh Patienten, stehen einem die eigenen Kommilitonen zur Verfügung - natürlich nur unter der Bedingung später Rache üben zu dürfen.
Auf jeden Fall durfte ich heute zum ersten Mal mein Glück zunächst beim Blut abnehmen versuchen. Ich kann euch sagen, es gibt eine ganz schöne Menge an Sachen, auf die man dabei achten muss. Es beginnt schon mit der Suche nach der richtigen Vene bzw. einer Vene, die gut zu treffen und groß genug ist, um sie zu „punktieren“, wie man das in der Fachsprache nennt. Immer gut, um eine Vene zu finden, ist es, das Blut mit Hilfe eines Stauschlauches zu stauen oder einige meiner Kommilitonen schwören ja darauf, dass Desinfektionsmittel auch bei der Findung einer Vene behilflich sei kann. Außerdem gibt es noch verschiedene andere Methoden, wie man ein geeignetes Blutgefäß auffindet, z.B. klopfen oder reiben, um Wärme zu erzeugen, sodass das Gewebe besser durchblutet wird und damit die Gefäße besser sichtbar sind oder einfach mal den Arm des Patienten nach unten baumeln lassen und die Hände vom Patienten öffnen und schließen lassen, sodass sich der Arm mit Blut „füllt“.
Dann muss man natürlich auch noch die zahlreichen Teile, die man für eine Blutabnahme benötigt zusammen bauen. Aber bitte zwischendurch den Stauschlauch wieder lockern (außer natürlich ihr wollt den Patient quälen oder die Blutwerte manipulieren - dann könnt ihr ihn natürlich auch dran lassen ;))! Und erst dann, wenn man wieder gestaut hat, die Vene noch immer da ist, wo sie sein sollte und man desinfiziert hat, kann man zustechen, wenn man kann und es nicht so wie bei mir läuft und einem die Hand mit der Nadel so stark zittert, dass man den Patienten fast an ganz anderen Stellen trifft, als die man anvisiert hat. Ja, ich gebe zu, ich war leicht nervös. Naja, irgendwie schaffte ich es dann doch noch die Nadel in die Vene zu zittern und ein paar Tröpfchen Blut aus meiner „Patientin“ herauszuholen, bis ich aus Versehen beim Hantieren mit der Monovette (Laborröhrchen für Blut) die Nadel herauszog… Aber: ich hatte es geschafft!!!
Es sollte natürlich gleich weiter gehen mit dem Flexülen legen. Gesagt getan. Auch hier gab es wieder sehr viele Sachen, die man beachten musste. Und auch hier hieß es wieder: Vene finden. Jetzt war es nur noch schwieriger geworden: Flexülen werden vorzugsweise an Händen oder dem unteren Unterarm gelegt - hier sind die Venen noch dünner als im Ellenbogen, wo man im Normalfall Blut abnimmt. Aber hier hatte ich schnell ein Blutgefäß am Handrücken meines Opfers, äh Patienten, gefunden. Und schon wieder ging es ans Zusammenbauen diverser Teile. Irgendwann hatte ich das dann auch geschafft und jetzt ging es ans Zustechen. Dieses Mal stach ich mit ruhiger Hand zu - nur auch dieses Mal verfehlte ich die Vene. Naja, es nützt nichts die Flexüle jetzt noch mal heraus zu ziehen, also heißt es einfach mal ein wenig in der Hand seines Patienten „herumwühlen“ - nein wir sind dabei ganz und gar nicht grob und geben uns Mühe keine benachbarten Strukturen zu zerstören. Gesagt getan! Nach einigem Zurück- und wieder Hineinschieben hatte ich es geschafft. Meine erste Flexüle lag und musste jetzt nur noch mit isotonischer Kochsalzlösung gespült werden. Danach durfte ich es dann noch mit einem schönen extra dafür hergestellten Pflaster verzieren. Das Resultat könnt ihr hier bewundern:


Nachdem das geschafft war, durfte meine Patientin natürlich auch an mir üben. Nach reiflicher Überlegung, entschied sie sich, die Flexüle in meine sog. „Anästhesisten-Vene“ zu legen. Habe ich auch erst heute gelernt: das ist die Vene, die daumenseits am Unterarm verläuft. Ihr könnt euch sicherlich denken, warum die ihren Namen verdient hat. Auf jeden Fall ist sie eigentlich bei vielen Menschen gut sichtbar und ggf. bei Stauung auch gut fühlbar, deshalb besonders beliebt bei o.g. Famulanten. Nachdem dann auch sie sämtliches Zubehör so zusammen gebaut hatte, dass es passte, passierte es: Ich schaute wie immer weg, wenn man an mir herum sticht (ja mir wird ein wenig komisch, wenn ich mein eigenes Blut sehe) und sie stach zu. Ich muss zugeben: es tat weh. Dies erklärte sich auch relativ schnell, als ich dann wieder hinsah: Es hatte sich eine interessante, kleine Erhebung an der Einstichstelle gebildet - meine Vene war geplatzt! Was soll man dazu sagen?! Shit happens!
Was ich damit eigentlich sagen wollte:
Meine lieben zukünftigen Patienten und Patienten meiner Kommilitonen,
habt Nachsicht mit uns Anfängern - es ist leider noch kein Meister vom Himmel gefallen - glaube ich zumindest. Und es ist gar nicht so leicht Flexülen zu legen oder Blut abzunehmen. Deswegen, wenn es mal nicht beim ersten oder zweiten Mal klappt, bitte, nicht sofort schmerzverzehrt das Gesicht verziehen und Schmerztabletten verlangen, sondern einfach abwarten. Der Famulant wird schon irgendwann eure Vene treffen… Ach ja und bitte nicht gleich verzagen, wenn mal ein paar Tropfen Blut daneben laufen: Der Mensch hat so ca. 6 Liter Blut in sich - ihr werdet nicht verbluten!!!

Das war’s. Das wollte ich nur mal loswerden.
Jetzt habe ich links auf jeden Fall keine Anästhesisten-Vene mehr. Ich bin in tiefer Trauer…

Eure Dr. des. Knochenflicker

2 Kommentare:

  1. Lieber Dr des. Knochenflicker was soll ich sagen als GRATULATION und bitte nie in Leipzig üben!! Ich könnte sowa definitiv nie. Respekt vor eurem Mut euch gegenseitig als Versuchskaninchen zu gebrauchen.
    Ansonsten hoffe ich, dass es Dir gut geht und wächst so eine "Anästhesisten-Vene" nach??

    Ganz liebe Grüße
    Maya aus dem Würfel

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  2. Dr. des. Knochenflicker19. November 2011 um 17:04

    Liebe Maya,
    ich verspreche hoch und heilig nie nach Leipzig zu kommen und mir kleine Löwinnen als Opfer zu suchen. Außerdem ist das Blut abnehmen bei euch sicherlich noch schwieriger - ihr habt so eine dicke Mähne.
    Ach, so schlimm ist es nun auch wieder nicht sich stechen zu lassen - man muss ja schließlich auch mal wissen, was die Patienten da so durchmachen müssen… gut natürlich nur bei den leichteren Sachen… ich würde mich jetzt auch nicht freiwillig zu einer Blinddarm-OP überreden lassen nur um meinen Kommilitonen mal eine Chance zum Üben zu geben ;).
    Ich hoffe, dass meine Vene wieder nach wächst, aber ganz so sicher bin ich mir da nicht. Zumindest denke ich, vorausgesetzt sie wächst nach, dass niemand da in der Zukunft jemals wieder eine Flexüle hineinbekommen wird - schade für alle Anästhesisten =D.
    Liebe Grüße
    Dr. des. Knochenflicker

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