Heute wurde in Lubmin an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern offiziell die Ostseegaspipeline der Nord Stream AG eröffnet. Nach nur eineinhalb Jahren Bauzeit war am Dienstag der erste Strang des 7,4 Mrd. Euro teuren Projekts fertig gestellt worden. Die Gästeliste bei der heutigen Eröffnung der Pipeline macht deutlich, dass es sich dabei um kein gewöhnliches Projekt handelt. Unter den 500 Gästen befanden sich Bundeskanzlerin Merkel, Russlands Präsident Medwedew, Frankreichs Premier Francois Fillon, der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte und als Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG Alt-Kanzler Schröder.
Mehr Gas für Westeuropa - so könnte die positive Nachricht lauten, wären da nicht die "knebelnden" Verträge des beteiligten russischen Hauptaktionärs Gazprom mit den deutschen Unternehmen Eon und BASF, Frankreichs GDF und der niederländischen Gasunie. Sie sind auf die nächsten Jahr(zehnte) beim Gaspreis an den Ölpreis gebunden, auch wenn diese Preisbindung irgendwann einmal offiziell am Markt aufgehoben werden sollte. Immer wieder wird als positiver Aspekt allerdings auf die Umgehung unsicherer Transitländer durch die neue Gastrasse quer durch die Ostsee hingewiesen. Im Jahr 2009 hatte der immer wieder aufflammende Streit um die Transitgebühren und die Bezahlung von Lieferungen zwischen der Ukraine und Russland zum fast zweiwöchigen Stopp der Lieferungen über die Druzba-Pipeline geführt. In den ost- und südosteuropäischen EU-Staaten war daraufhin fast vollständig das öffentliche Leben zusammengebrochen. Okay, in Deutschland ist so etwas fast unmöglich, da wir über einen Energiemix verfügen, beim dem Erdgas nur 21,8% (2010) ausmacht und wir auch noch über mehrere Pipelines unser russisches Gas bekommen. Anders sah es da 2009 in Bulgarien und Rumänien aus, die fast vollständig am russischen Gashang über den südlichen Zweig der Druzba-Pipeline hängen und deshalb so schwer betroffen waren. Fraglich ist aber, ob Europa das ganze Gas überhaupt braucht, denn seit Beginn der Planungen hat sich der Gasmarkt erheblich verändert. Zum einen drückt das amerikanische Schiefergestein-Gas den Preis und zum anderen wird in vielen europäischen Staaten verstärkt auf alternative Energien gesetzt. Deshalb will Mehrheitseigner Gazprom nun auch ersteinmal nur ein Drittel der 27,5 Mrd. durch die Pipeline lieferbaren Kubikmeter pro Jahr durchleiten.
Übrigens, das über die Pipeline gelieferte Gas kommt aus dem Gasfeld Juschno-Russkoje auf der Jamal-Halbinsel. Dort liegen die weltweit größten Gasvorkommen. Abbau und Lieferung sind also gesichert! :)
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