Samstag, 14. April 2012

Allein unter Gentlemen

Die Einführungswoche meiner Famulatur endete mit dem äußerst spannenden Fachbereich Anästhesie und operativer Intensivmedizin. Für mich als Knochenflickerin war das wieder sehr interessant, da sich die Anästhesisten nicht nur um süße Träume kümmern, sondern auch das Gebiet der Notfallmedizin abdecken. Daher durften wir Famulanten uns dann ein Notarztfahrzeug auch mal näher ansehen und mal ausprobieren, wie schwer die verschiedenen Geräte sind um uns dann vorzustellen, wie man mit diesem Gepäck in den 10. Stock eines Hochhauses ohne Fahrstuhl läuft - kein Wunder, dass Notärzte immer so durchtrainiert aussehen ;).
Das folgende Wochenende verbrachte ich dann damit, eine nordrhein-westfälische Stadt zu erkunden, von der viele meinen, dass es sie gar nicht gibt - ich habe Bielefeld unsicher gemacht. Und ich kann euch sagen, dass wenn man am Bielefelder Hbf. ankommt, man nicht auf einem Acker namens Biele-Feld abgeworfen wird (so wie es mein Cousin mir prophezeite ;) ), sondern es dort tatsächlich auch ein vernünftiges Hbf-Gebäude in Mitten von Bielefeld gibt, indem allerdings weit und breit für alle Nicht-Bielefelder die Wegbeschreibung zu einem Gefährt namens „Stadtbahn“ fehlt. Als Fischkopp (hochdt.: Rostockerin) stellte ich mir natürlich vor, dass die Stadtbahn so etwas ähnliches wäre wie eine Straßenbahn. Zum Teil hatte ich damit auch schon das Wesen der Stadtbahn erfasst. Der andere Teil, der mir noch fehlte, war, dass diese Bahn nicht nur eine Straßenbahn ist sondern gleichzeitig auch U-Bahn. Deshalb war ich etwas verdutzt als ich aus dem Bahnhofsgebäude herauskam und weit und breit keine Schienen sah. Erst bei näherer Betrachtung der Umgebung ist mir ein U-Bahn-Schild aufgefallen, auf dem das Wort „Stadtbahn“ vermerkt war. Also auf zur Stadtbahn!
Mit dieser Stadtbahn und einem Bus ging es für mich dann zunächst einmal in den Tierpark Olderdissen (keine Ahnung wie man auf so einen bescheuerten Namen kommen kann - wollten die vielleicht irgendwann mal jemanden dissen, indem sie so einen merkwürdigen Namen erfanden?). Dort habe ich dann schon die ersten Neugeborenen dieser Saison beobachten dürfen… Seht selbst!


Danach machte ich mich auf zu einem Stadtrundgang. Unterstützt nur durch eine kleine Karte Bielefelds, auf der alle wichtigen Sehenswürdigkeiten eingezeichnet waren. Natürlich bin ich in Sachen Kartenlesen nicht gerade das Genie und deshalb verirrte ich mich auch des Öfteren. Aber ich fand immer wieder von selbst auf den rechten Weg.
An diesem Wochenende machte ich dann noch eine kleine Zeitreise in das Jahr 2525 im Bielefelder Naturkundemuseum „namu“. Zurück in der Realität, machte ich mich auf ins Krankenhausmuseum, wo ich mich mal wieder freute im Heute zu leben und nicht vor 50 Jahren. Einige Ausstellungsstücke können einem echt Alpträume bescheren.
Am Montag sollte es dann richtig mit meiner ersten Famulatur in der Orthopädie losgehen. Ich traf auch recht pünktlich beim Chefarzt ein, der dann mal gleich einen seiner Assistenzärzte zu sich beorderte um mich abzuholen und mit mir in die Ambulanz zu gehen, wo ich meinen ersten Arbeitstag verbringen sollte. Um den Chef nicht weiter bei seiner Arbeit zu stören, wartete ich im Gang und wartete und wartete… Man hatte mich, die blogberühmte Dr. des. Knochenflicker, vergessen!!!! Nach einigen Malen anpiepen des Assistenten, wurde ich dann doch endlich abgeholt. Es konnte losgehen! In der Ambulanz trafen nach und nach auch immer mehr Patienten ein, die angeschaut werden wollten.
Am Nachmittag hatten wir sie dann alle geschafft. Was heißt: wir? Ich war höchstwahrscheinlich am wenigsten daran beteiligt, aber jeder in der Ambulanz versucht der Jugend - also mir - etwas beizubringen, was zwar dazu führte, dass ich jetzt vieles schon mal hörte, es mir aber mir nie und nimmer alles merken kann. Außerdem weiß ich mal wieder, dass ich (fast) nichts weiß! Ich ziehe vor den Ärzten hier echt meinen nicht vorhandenen Hut dafür, dass sie wirklich fast immer sofort wissen, was zu tun ist (so erschien es mir zumindest heute).
Am Nachmittag war dann noch die Ärzteversammlung der Orthopäden, wo ich auch endlich mal vom Chef persönlich allen vorgestellt wurde. Hier ging mir dann auch auf, dass ich die einzige Frau unter einem knappen Dutzend Kerle bin - aber ich muss sagen, sehr wohlerzogene Kerle. Am Ende wurde ich dann noch von einigen Assistenten zu einem Tischerkickerspiel eingeladen. Ja, ihr glaubt es wahrscheinlich kaum - ich konnte es auch nicht fassen als ich sah, was da hinten in einer Ecke stand - ein Tischkicker! Mir wurde schon prophezeit, dass ich am Ende um mein Zeugnis zu bekommen gegen den Chef ran müssen würde. Da half nur eins: Üben, üben und nochmals üben.

Bis bald
Eure Dr. des. Knochenflicker

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