Heute stand ich zum ersten Mal steril am OP-Tisch. Ich durfte bei einer Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP) ein paar Haken halten und am Ende die Wunde klammern. Ihr könnt euch sicher vorstellen wie hoch mein Herz da schlug, denn ich mag es nicht nur Knochen zu flicken, sondern auch alles andere am menschlichen Körper flicken. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich auch ein wenig nervös war, was das seinige zu meiner erhöhten Herzfrequenz beitrug. Aber mit ein paar guten Coping-Strategien legte sich das wieder.
Zuerst hieß es natürlich den Patienten richtig lagern. Das war nicht so schwierig, aber dann kam die Aufgabe der Aufgaben - sich steril waschen, ankleiden und dann vor allem auch steril bleiben. Aber dank eines sehr netten OP-Teams überstand ich auch das. Ich war ja eigentlich immer davon überzeugt, dass OP-Schwestern total unfreundliche Hexen sind, die jeden Famulanten hassen, sobald sie ihn das erste Mal erblicken - ich muss meine Meinung ändern. Als dann alles angerichtet war, wurde ich von meinem charmanten Kollegen zum Tisch gebeten. Und dann hieß es erst einmal, dass ich mich doch bitte gegen den OP-Tisch lehnen und es mir so bequem wie möglich machen soll, sodass ich die ganze OP auch durchhalte und danach nicht mit totalen Rückenschmerzen ende.
Dann ging es los. Der erste Schnitt wurde gesetzt. Ich war ja schon ganz schön gespannt wie das gekauterte Fleisch riechen würde. Eine Kommilitonin sagte zuvor schon zu mir, dass es wie gegrilltes Hühnchen riecht. Also war ich auf alles eingestellt. Es erwies sich dann aber doch nicht als Hühnchen oder andere mir bekannte Gerüche und es war auch kein sehr aufdringlicher Geruch.
So nahm die OP ihren Lauf und mir wurden immer mal wieder verschiedenen Haken in die Hand gedrückt, weggenommen oder die Position korrigiert. Zwischendurch lag ich dann auch schon mal halb auf der Patientin um die Haken auch richtig halten zu können. Also ich muss schon sagen, dass das eine wirklich anstrengende Tätigkeit ist, wenn man sie länger ausübt.
Mittendrin ging auch schon mal wie in einer kleinen Werkstatt zu, als zum Beispiel nach Hammer oder Säge verlangt wurde.
Nach einer guten Stunde war das Werk dann vollbracht und es musste nur noch genäht und geklammert werden. Wobei ich letzteres übernehmen durfte …
Am Nachmittag - weit weniger spektakulär - durfte ich mich dann auch zum ersten Mal als „Vampir“ ausprobieren und einer Patientin Blut abnehmen. Ich bereitete alles vor, stach, traf prompt die Vene und trotzdem wollte einfach kein Blut kommen. Also wendete mein Kollege einige Tricks an, die aber leider nichts halfen und letztendlich kam uns der Butterfly (ja dieses Blutabnahme-System trägt nicht um sonst diesen Namen) von ganz allein wieder entgegen. Also musste die Vene am anderen Arm auch gleich noch dran glauben und da gelang es uns dann auch unsere Blutgelüste zu befriedigen. War zwar kein toller Einstieg hinsichtlich der großen Kunst der Blutabnahme, weil das Blut auch zu lange gestaut wurde, was wiederum dazu führt, dass eine Hämolyse (Auflösung der roten Blutzellen) einsetzt (haben wir alle mal in der Klinischen Chemie-Vorlesung gelernt nur keiner scheint sich daran zu erinnern), aber naja, kein Meister ist je vom Himmel gefallen.
Als nächstes darf ich mit dem Chefarzt operieren. Auch wieder eine Knie-TEP und außerdem eine Hüfte revidieren - wie ich mich freue!!!
Liebe Grüße
Dr. des. Knochenflicker
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