Freitag, 6. April 2012

Auf jede Lösung folgt ein Problem

Spannende Tage sind vergangen seit ich euch das letzte Mal geschrieben habe. Ich fange mal am besten von vorn an zu erzählen: Da wäre zunächst einmal ein Besuch im hiesigen Zentrum für Frauenheilkunde, wo wir Famulanten dann auch gleich mal bei einer Fruchtwasserentnahme dabei sein konnten. Es war echt interessant das mal zu sehen, auch wenn ich so etwas garantiert nie selbst machen werde (sonst müsste ich ja schließlich zu einer Frauenärztin mutieren - nee, das geht gar nicht!). Ich hätte mir den ganzen Vorgang, das heißt Frau legt sich hin, wird desinfiziert und dann wird unter Ultraschallkontrolle eine Nadel in den Bauch gestochen, mit der dann Fruchtwasser abgenommen wird, wesentlich komplizierter vorgestellt.

Nach dieser Fruchtwasserpunktion ging es dann hoch auf die Station, wo wir uns ein paar kleine, echt superduper schnuckelige Neugeborene angesehen haben. Danach ging es von den Neugeborenen zu den Noch-Nicht-Geborenen - wir haben uns so ein kleines Würmchen im Ultraschall angeschaut. Es ist echt bemerkenswert, was Gynäkologen alles meinen im Ultraschallbild erkennen zu können. Wo der Arzt ein Gesicht gesehen hat, habe ich nur ein bisschen schwarz mit ein paar weißen Linien drin gesehen. Und dann kam natürlich auch die unabwendbare Frage auf, was es dann wohl werden wird. Dies war bei dem Kind leider nicht so ganz leicht festzustellen… wissen werden wir es dann wohl erst, wenn das Kind geboren ist.
Zuletzt kam in dieser Etappe dann das für mich spannendste: der OP. Es stand eine laparoskopische Entfernung des Uterus, sprich eine minimal-invasive Hysterektomie, auf dem Plan, die wir uns ansehen sollten, wie der Chefarzt meinte. Für mich war es sehr spannend, da ich noch nie im OP war und jetzt meine erste OP-Erfahrung machen sollte. Das ermöglichte mir einige neue Einblicke - vor allem in die Bauchhöhle der Patientin ;). Wir wollten eigentlich gar nicht weg aus der Gyn, aber wir mussten dann gehen, da es jetzt im Institut für Pathologie weitergehen sollte.
Hier wurden wir mal wieder nett mit Kaffee, Wasser und sogar Cola empfangen. Schließlich verfolgten wir dann zusammen mit dem Chefarzt den Weg eines Präparats, nachdem es in die Patho eingesandt wurde und schauten uns dann noch den Obduktionssaal an. Da ich das alles schon aus meinem Heimat-Patho-Institut kannte, war es nicht so spannend für mich. Was mich aber überraschte, war, dass zum einen hier der Obduktionssaal viel moderner war als an meiner Uni und zum anderen hier auch noch Obduktionen gemacht werden.
Am Nachmittag ging es dann weiter zur Hämatologie und Onkologie sowie einem so spannenden Arbeitskreis zu diesem Thema, dass ich Mühe hatte, wach zu bleiben…
Am nächsten Tag sollte es dann weiter gehen mit ein wenig Chirurgie - da war ich doch gleich wieder hellwach! Auch hier hieß es wieder einmal, wer will, kann in den OP gehen. Das braucht man mir doch nur ein Mal sagen! Zack, war ich in schöne grüne OP-Klamotten gehüllt, hatte Mundschutz und so eine formschöne OP-Haube auf. Und ab ging es in den OP: eine Gallenblase musste raus. Auch diese OP wurde mal wieder laparoskopisch durchgeführt, so dass wir als Studenten, die nicht steril waren auch am Monitor die OP verfolgen konnten.
Nach einer weiteren halben OP, hieß es dann für uns: Raus aus den OP-Klamotten, auf in die Augenklinik und wieder rein in OP-Klamotten. Es sollte gleich mit einer Katarakt (grauer Star)-OP weitergehen. Nach 15 Minuten war auch das erledigt und der Chef der Abteilung konnte sich voll und ganz uns widmen. Das hieß dann, dass nun unsere Augen auf dem Prüfstand standen. Wir konnten von unseren Netzhäuten Fotos machen lassen. Meine Retina, wie sie im Fachjargon heißt, sieht noch total jugendlich aus, habe ich bescheinigt bekommen (Es existiert bei mir noch ein Lichtreflex, den nur JUNGE Menschen haben). Außerdem konnten wir ein OCT über uns ergehen lassen. Ihr denkt euch jetzt: Was ist ein OCT??? OCT steht für eine okuläre Kohärenztomografie (wenn ich mich richtig erinnere). Dies ist ein Verfahren bei dem man sozusagen die Netzhaut in dünne Scheiben schneidet (natürlich nur bildtechnisch) und letztendlich kommt da dann ein von einem PC erstelltes Bild der 10 Schichten der Netzhaut (ich kannte sie mal, aber das war in meinem besten vorklinischen Zeiten) heraus. Das OCT, kann ich euch sagen, ist eines der Neusten und wahrscheinlich auch teuersten Spielzeuge der Augenheilkunde. Die Augenärzte in der Rostocker Augenklinik spielen auch andauernd damit herum.
Am Nachmittag sollte es dann noch ein wenig weiter gehen mit Dermatologie und Innerer Medizin. Am Abend wurden wir dann vom Organisator dieser Woche zum Abendessen eingeladen.
Am nächsten Tag ging es dann zunächst einmal in die Klinik für Strahlentherapie. Das hätte ich mir niemals so interessant vorgestellt, wie es tatsächlich war, aber später mal machen will ich es trotzdem nicht. Dann stand noch ein Besuch sowohl in der Gefäß- als auch Thoraxchirurgie an. Am Ende dieses Tages konnten wir uns noch einen Vortrag über Ärzte im Management der Verwaltung des Krankenhauses anhören. Das wäre für mich absolut kein alternativer Weg zu einer späteren Tätigkeit als Fachärztin. Teilweise wird in diesen Kreisen dann entschieden, welche Therapien für die Patienten zu teuer sind und wer welche Therapie erhält. Das wäre für mich sprichwörtlich ein wenig zu viel Gott spielen.
Das war so ein kleiner Einblick in das Leben in der Klinik.
Inzwischen habe ich auch mein Kühlschrank-Problem komplett gelöst, da ich von der Personalwohnheim-Verwaltung einen eigenen in mein Zimmer gestellt bekommen habe. Er sieht zwar noch ein wenig leer aus, aber das wird sich morgen Nachmittag ändern - muss sich ändern sonst verhungere ich…

Ich war auch eigentlich auf einem guten Weg mein Internet-Problem zu lösen, aber da haben sich mir ein paar bürokratisch bedingte Steine in den Weg gelegt… ich werde morgen ganz angestrengt versuchen sie zur Seite zu räumen. Ich bin wirklich gespannt, wann ihr das hier endlich zu lesen bekommt.

Liebste Grüße
Eure Dr. des. Knochenflicker

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