Ob in London oder in Jerusalem – Mitt Romney zeigt sich auf seiner Auslandsreise nicht gerade als Staatsmann.
Schon im Vorfeld der Reise zeigte sich Romney schon nicht sehr diplomatisch-pragmatisch, denn seinen Besuch in Berlin sagte er ab, weil die Kanzlerin an dem geplanten Termin im Urlaub gewesen wäre. Vielleicht wollte er sich aber auch einfach nicht auf „Obama-Territorium“ begeben. Wer sich noch an die jubelnden Massen von 2008 erinnert, der kann den Kneifern Romneys zwar verstehen, aber auf keinen Fall gut heißen. Mal abgesehen davon, dass seine Rede wohl im Gebuhe der Berliner untergegangen wäre.
Schließlich wollte der Republikaner seine Tour in London starten und patschte noch auf amerikanischem Boden in eine große britische, olympische Pfütze. Gegenüber dem US-Fernsehsender NBC erklärte er, es sei „schwer zu sagen, wie gut [Olympia] werden wird.“ Und wenn sich meinen Diplomaten-Ich dabei schon die Zehennägel hoch kräuselten, wurde es noch schlimmer. So gebe es „beunruhigende Zeichen“, ob Großbritannien in der Lage sei, ein Ereignis einer solchen Größenordnung auszurichten. Ja, ich kann förmlich das Haareraufen und aufstöhnen des Wahlkampfteams hören. Ist es denn so schwer mal sein Ego zu vergessen und einfach so etwas zu sagen wie: „Ich freue mich auf die Spiele. Sie werden sicher fantastisch.“
Wenigstens war auf den britischen Premier Verlass: „Wir veranstalten die Spiele in einer der belebtesten, aktivsten und geschäftigsten Städte der Welt. Natürlich ist es einfacher, die Olympischen Spiele mitten im Nirgendwo zu veranstalten.“ Damit spielte er auf die Beteiligung Romneys an der Organisation der Winterspiele in Salt Lake City Jahr 2000 an. Londons Bürgermeister Boris Johnson gab auch vor zehntausenden Menschen im Hyde Park seinen Senf dazu: „Da gibt es einen Typ namens Mitt Romney, der wissen will, ob wir bereit sind. Sind wir bereit? Jawoll!“
Weiter ging es nach Israel. In der heiligen Stadt zeigte Romney seine harte Seite. Für ihn gibt es nur schwarz und weiß, es gibt nur die Guten und die Bösen. Und alles läuft auf Israel vs. Iran hinaus. Wobei natürlich Israel gewinnen und alle anderen Beteiligten sich dem Volk des Alten Testamentes unterordnen müssen. So einfach ist Romneys Bild über den Mittleren Osten. Dem republikanischen Wähler mag diese Haltung zwar imponieren, aber auf internationaler Bühne hat er sich damit keine Freunde gemacht. Denn auch die Israelis wissen, dass sie einen amerikanischen Präsidenten brauchen, der vermitteln kann, der beide Seiten versucht zu verstehen. Niemandem ist geholfen mit einem Sturkopf. Falls sich jemand an die Iran-Contra Affäre unter Präsident Reagan erinnert (Ich war das selbst kaum aus den Windeln), weiß, was ich meine.
Gerade in Israel muss man als amerikanischer Präsident(schaftsaspirant) all sein diplomatisches Geschick auspacken. Hier schießt man nicht auf Spatzen, sondern auf mittelöstliche Elefanten.
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