Das gab mein Gynäkologie-Dozent Prof. Gerber in der Vorlesung von sich, als er zum Thema Operationen in der Gyn - im speziellen: Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) - sprach. Jetzt durfte ich das auch mal live erleben. Heißt, ich sollte eine vaginale Hysterektomie assistieren. Schon im Vorhinein wurde gesagt, dass die Vagina sehr klein sei. Mir schwante Böses! Das würde in Arbeit ausarten
Zwischendurch durfte ich
auch mal die Gebärmutter, die gerade heraus präpariert wurde, nehmen. Dann hieß
es meistens „Zieh mal ein bisschen.“ Ich zog. Irgendwann tut man das dann auch
wenn niemand etwas sagt. Man will ja schließlich zeigen, dass man mitarbeiten
kann auch ohne verbale Anweisung. Und zack: ich hatte die Parametrien
(Bindegewebe um die Gebärmutter herum) oder was auch immer - ich konnte es nicht identifizieren - z.T.
abgerissen… ich meine die sollten sowieso ab präpariert werden… ich ersparte
dem Operateur damit eigentlich ein wenig Arbeit
. Na ja, er sah das nicht
ganz so, aber er meinte auch, dass ich in dem Moment nicht genau wissen konnte,
wie stark ich ziehen sollte. Huhu, Schwein gehabt! Ich wollte es mir ja nicht
schon am 2. Tag verscherzen.
Nach gefühlten 5 Stunden
war die Gebärmutter dann auch draußen und es konnte dann mit der Fixierung der
Vagina weitergehen. Das war der entspannende Teil der OP! Am Ende tat meine
Hand, die den Haken halten musste auch gar nicht weh! Ich war über das
Schmerzstadium heraus. Die Hand war nur noch verkrampft.
Die Ärzte konnten aber
alle mit mir fühlen. Sie hatten das ja auch alle mal durchgemacht.
Heute ging es weiter mit
einer Ablatio mammae + Lymphnodektomie
der Axilla. Das heißt wir nahmen einer Brustkrebspatientin die Brust ab und
entfernten die Lypmphknoten der Achselhöhle gleich mit. Hier durfte ich mal als
1. Assistenz mit an den Tisch.
Operateur war der
Oldschool-Oberarzt vom letzten Artikel. Und er fing mal wieder ganz locker das
Skalpell schwingend an und lies sich auch nicht von den Blutungen aus dem
Fettgewebe stören. Fettgewebe ist nämlich sehr, sehr gut durchblutet. Erst nach
einer bestimmten Schnitttiefe und einigen feinsprenkeligen, roten Springbrunnen
„bruzelten“ wir mal die Gefäße, so dass die Blutungen standen. Diese
fein-fontänenartigen Blutungen erwischten sogar den OA mitten im Gesicht,
sodass seine Nase voll mit feinen Blutstropfen war. Auch das Narkosegerät hatte
etwas abbekommen, was zum Unmut der OP-Schwestern führte. Während der OA von
einer der OP-Schwestern einen neuen Mundschutz umgebunden bekam, ging es immer
weiter. Bald war die Brustdrüse draußen. Es ging weiter mit den Lymphknoten der
Achselhöhle und dann konnten wir auch schon zu machen. Und das „Wir“ stimmt
hier sogar mal. Er hat mich mitmachen lassen!! Juhu!!
Zunächst durfte ich das
Unterhautfettgewebe zusammennähen, was nach Meinung der OP-Schwestern gar nicht
so schlecht aussah. Nebenbei durfte ich dann noch die Fragen des OAs
beantworten… versuchen zu beantworten trifft es besser. Denn er fragte mich
nicht zu medizinischen Themen aus. Nein! Das wäre ja zu leicht! Da bestünde ja
die Chance, dass ich etwas wüsste und er nicht dozieren könnte! Stattdessen zum
Thema „Walther von der Vogelweide“ und seiner Beziehung zu Friedrich II. Das
ließ bei mir dann letztendlich den Schweiß auf die Stirn treiben. Aber
irgendwann war dann auch die Haut mit einer intrakutanen Hautnaht (Naht
innerhalb der Haut, von außen sind keine Fäden sichtbar) verschlossen. Ich
konnte mich über meine erste intrakutane Naht, die nicht an Schweinefüßen
sondern an einer richtigen Patienten gemacht wurde, freuen.
Nach der OP hatte ich
mich gleich mal bei der anderen Medizinstudentin informiert, welche anderen
Fragen der OA denn so stellt. Jetzt kann
ich vorbereitet in die nächste OP mit ihm gehen!
Davon nächstes Mal mehr!
Liebe Grüße aus einem Brandenburger
Kaff!
Eure Dr. des.
Knochenflicker
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