Freitag, 21. Februar 2014

Vaginal, vaginal, vaginal!


Das gab mein Gynäkologie-Dozent Prof. Gerber in der Vorlesung von sich, als er zum Thema Operationen in der Gyn - im speziellen: Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) - sprach. Jetzt durfte ich das auch mal live erleben. Heißt, ich sollte eine vaginale Hysterektomie assistieren. Schon im Vorhinein wurde gesagt, dass die Vagina sehr klein sei. Mir schwante Böses! Das würde in Arbeit ausarten . So war es dann auch!
Der Operateur saß zwischen den Beinen der Patientin und die Oberärztin und ich standen neben ihn mit total krummen Rücken. Meine Aufgabe war natürlich Haken zu halten. Aufgrund meines sehr verkrümmten Rückens und des Zugs, den ich auf den Haken ausübte, hatte ich relativ schnell Schweißperlen auf der Stirn. Premiere! Selbst die härteste orthopädische oder unfallchirurgische OP mit 5-kg-Bleischürze auf den Schultern hatte das bei mir nicht geschafft!! Sogar der Oberarzt, der operierte, fragte nach einer geschlagenen Stunde, ob es mir noch gut gehen würde, da ich so hecheln würde.
Zwischendurch durfte ich auch mal die Gebärmutter, die gerade heraus präpariert wurde, nehmen. Dann hieß es meistens „Zieh mal ein bisschen.“ Ich zog. Irgendwann tut man das dann auch wenn niemand etwas sagt. Man will ja schließlich zeigen, dass man mitarbeiten kann auch ohne verbale Anweisung. Und zack: ich hatte die Parametrien (Bindegewebe um die Gebärmutter herum) oder was auch immer  - ich konnte es nicht identifizieren - z.T. abgerissen… ich meine die sollten sowieso ab präpariert werden… ich ersparte dem Operateur damit eigentlich ein wenig Arbeit . Na ja, er sah das nicht ganz so, aber er meinte auch, dass ich in dem Moment nicht genau wissen konnte, wie stark ich ziehen sollte. Huhu, Schwein gehabt! Ich wollte es mir ja nicht schon am 2. Tag verscherzen.
Nach gefühlten 5 Stunden war die Gebärmutter dann auch draußen und es konnte dann mit der Fixierung der Vagina weitergehen. Das war der entspannende Teil der OP! Am Ende tat meine Hand, die den Haken halten musste auch gar nicht weh! Ich war über das Schmerzstadium heraus. Die Hand war nur noch verkrampft.
Die Ärzte konnten aber alle mit mir fühlen. Sie hatten das ja auch alle mal durchgemacht.
Heute ging es weiter mit einer Ablatio mammae +  Lymphnodektomie der Axilla. Das heißt wir nahmen einer Brustkrebspatientin die Brust ab und entfernten die Lypmphknoten der Achselhöhle gleich mit. Hier durfte ich mal als 1. Assistenz mit an den Tisch.
Operateur war der Oldschool-Oberarzt vom letzten Artikel. Und er fing mal wieder ganz locker das Skalpell schwingend an und lies sich auch nicht von den Blutungen aus dem Fettgewebe stören. Fettgewebe ist nämlich sehr, sehr gut durchblutet. Erst nach einer bestimmten Schnitttiefe und einigen feinsprenkeligen, roten Springbrunnen „bruzelten“ wir mal die Gefäße, so dass die Blutungen standen. Diese fein-fontänenartigen Blutungen erwischten sogar den OA mitten im Gesicht, sodass seine Nase voll mit feinen Blutstropfen war. Auch das Narkosegerät hatte etwas abbekommen, was zum Unmut der OP-Schwestern führte. Während der OA von einer der OP-Schwestern einen neuen Mundschutz umgebunden bekam, ging es immer weiter. Bald war die Brustdrüse draußen. Es ging weiter mit den Lymphknoten der Achselhöhle und dann konnten wir auch schon zu machen. Und das „Wir“ stimmt hier sogar mal. Er hat mich mitmachen lassen!!    Juhu!!
Zunächst durfte ich das Unterhautfettgewebe zusammennähen, was nach Meinung der OP-Schwestern gar nicht so schlecht aussah. Nebenbei durfte ich dann noch die Fragen des OAs beantworten… versuchen zu beantworten trifft es besser. Denn er fragte mich nicht zu medizinischen Themen aus. Nein! Das wäre ja zu leicht! Da bestünde ja die Chance, dass ich etwas wüsste und er nicht dozieren könnte! Stattdessen zum Thema „Walther von der Vogelweide“ und seiner Beziehung zu Friedrich II. Das ließ bei mir dann letztendlich den Schweiß auf die Stirn treiben. Aber irgendwann war dann auch die Haut mit einer intrakutanen Hautnaht (Naht innerhalb der Haut, von außen sind keine Fäden sichtbar) verschlossen. Ich konnte mich über meine erste intrakutane Naht, die nicht an Schweinefüßen sondern an einer richtigen Patienten gemacht wurde, freuen.
Nach der OP hatte ich mich gleich mal bei der anderen Medizinstudentin informiert, welche anderen Fragen der OA  denn so stellt. Jetzt kann ich vorbereitet in die nächste OP mit ihm gehen!

Davon nächstes Mal mehr!
Liebe Grüße aus einem Brandenburger Kaff!
Eure Dr. des. Knochenflicker

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