Der erste Tag meiner ersten Famulatur war gekommen. Wider erwarten hatte ich doch ganz gut geschlafen, wurde dann aber im frühen Morgen etwas unsanft von lautem Gepolter auf dem Flur aus dem Schlaf gerissen. Als mein Wecker endlich klingelte, schälte ich mich aus meinem Bett. Eine Stunde später sollte die Einführungswoche, in der wir verschiedene Abteilungen des Krankenhauses sehen sollen, losgehen - tat es auch. Wir alle, das heißt meine fünf Mitstreiter und ich, waren in einem Konferenzraum hoch über den Dächern der Stadt versammelt und warteten auf die Verantwortlichen. Nach einer etwas lang(atmig)en Einführung mit - natürlich - nur Kaffee und erst auf Nachfrage Tee (falls ihr es noch nicht wusstet, ich verabscheue Kaffee) ging es dann auf zu einer Tour durch das Haus, die mir dann auch gleich zeigte, dass ich mich in Zukunft sicherlich das eine oder andere Mal auch verlaufen werden würde. Währenddessen machten wir auch in der Wäscherei halt und wurden eingekleidet – das war zumindest der Plan, aber auf Grund eines höchstwahrscheinlich chronischen Arbeitskleidungsmangels durfte ich am Ende auf meinen eigenen Kittel zurückgreifen. Mal schauen wie das in Zukunft sein wird.
Dann - endlich - ging es auf zur ersten Station unserer Woche - der Medizinischen Klinik I. Lasst euch von dem Wort „Klinik“ nicht verwirren, denn dieses wird auch gerne mal synonym für „Abteilung“ benutzt. Was sich hinter der Med. Klinik I verbirgt ist die Abteilung für allgemeine Innere Medizin. Ihr habt noch nie was von allgemeiner Inneren Medizin gehört? Ich zuvor auch nicht. Letztendlich lief es darauf hinaus, dass wir uns zusammen mit dem Chefarzt (!) die Notaufnahme anschauten, bei einigen diagnostischen Maßnahmen, wie zum Beispiel Ultraschall, zusahen, bei einer Röntgenbesprechung dabei waren und dann noch zwei Fälle vorgestellt bekamen. Am besten davon gefiel mir natürlich die Notaufnahme. Die ist einfach mehr mein Metier als die Innere Medizin, obwohl das was ich in der Inneren zu sehen bekam, doch sehr interessant war und mich ein bisschen zum Nachdenken über meine Wahl hinsichtlich meiner Facharztausbildung brachte. Das Ganze ist so ein bisschen wie Dr. House. Nur dass leider der Otto-Normal-Bürger keine so exotischen Krankheiten hat wie die Patienten des besagten Arztes. Deswegen also auch nur so ein bisschen wie Dr. House. Hier muss man sich wohl eher mit den großen Volkskrankheiten auskennen.
Nachdem wir die Röntgenbesprechung überstanden hatten, die mir mal wieder aufzeigte, wie wenig ich doch von klinischer Medizin verstehe und wie viel ich noch zu lernen habe, ging es weiter - ja wie sollte es auch anders sein - in die Medizinische Klinik II. Was sich dahinter verbirgt ist leichter zu erklären als allgemeine Innere Medizin, nämlich sollte es für uns jetzt in die Kardiologie gehen. Auch hier wurde uns zum gefühlten 10. Mal an diesem Tag Kaffee angeboten, aber die Kardiologen hatten auch Wasser und Kekse (hm lecker) da, was sie ein wenig in meiner Sympathierangliste steigen lässt. Hier durften wir uns dann solche netten und zum großen Teil lebensrettenden Spielereien, wie die Herzkatheterlabore und einige Eingriffe auf Video bzw. als Röntgenbilder ansehen. Der Chefarzt der Kardiologie gab echt sein Bestes um uns zu erklären, was da grade passiert und vor allem, wo im Herzen wir uns befanden, aber bei mir wollte das einfach nicht klappen. Ihr müsst es euch so vorstellen, dass man auf so einem Röntgenbild halt nur die knöchernen Strukturen, aber kein Herz (das Herz ist nicht „röntgenstrahlungsdicht“ oder wie auch immer das heißen mag) sieht. Der Chefarzt sagte dann zwar des Öfteren so etwas wie: „Wir befinden uns jetzt im linken Ventrikel.“, aber da man das Herz nicht sehen konnte, war das für mich einfach nur ein Röntgenbild des Brustkorbs mit ein paar Elektroden drauf. Danach durften wir dann bei der Echokardiografie (auf verständlichem Deutsch: Herzultraschall) unser Glück an unseren Kommilitonen ebenso wie am Patienten versuchen. Was so leicht beim Onkel Doktor aussieht, ist gar nicht so leicht, kann ich euch berichten. Sich den Ultraschallkopf so einzustellen, dass man dann wirklich auch das Herz sieht, ist eine Kunst, die man erst einmal eine gewisse Zeit lang lernen muss bevor man sie kann. Schließlich sind da so einige Dinge, wie Rippen oder auch Lunge, im Weg bevor man das Herz sieht.
Das war also mein erster Tag als Famulantin im Krankenhaus. Danach wollte ich dann mal den uns von der Personalabteilung versprochenen Internetzugang in der Medizinischen Bibliothek ausprobieren, um eben diesen Bericht zu posten. Natürlich - ich hätte es mir eigentlich denken können - erlitt ich hier in meinen Internet- Hoffnungen einen herben Rückschlag: Das PASSWORT fehlte.
Danach starte ich dann den Versuch Abendessen zuzubereiten. Da ich es leider versäumt hatte mir in der Cafeteria Besteck zu „leihen“, musste ich meine Joghurt mit meinen Fingern essen … löffeln - oder wie auch immer ihr das nennen wollt. Aber ich habe dank Beachside nun endlich eine Lösung für mein Kühlschrankproblem (Kein Kühlschrank weit und breit.) gefunden. Ich habe einfach alles Verderbliche in einen Beutel gepackt und diesen Beutel außen an meinem Fenster befestigt…Glücklicherweise muss ich mich nur um das Abendbrot selbst kümmern. Frühstück und Mittagessen bekomme ich kostenlos und ohne Beschränkung auf ausgewählte Menüs vom Klinikum. Da kann man sich es so richtig gut gehen lassen. Selbst sämtliche Getränke, die in der Kantine angeboten werden und Süßigkeiten sind frei für uns. Höchstwahrscheinlich werde ich am Ende meiner Famulatur hier herausrollen.
So, das soll es heute von mir gewesen sein.
Liebe Grüße
Dr. des. Knochenflicker
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