2013 wird ein spannendes
Jahr für die LGBT-Gemeinde in den USA. Vor dem US-Supreme Court werden gleich
zwei Klagen verhandelt werden, die sich mit Fragen der Gleichstellung der Ehe
befassen. Zum einen geht es um die Klage von Edith Windsor gegen den Defense of
Marriage Act. Im Mittelpunkt steht die bundesstaatliche Anerkennung von in den
Bundesstaaten geschlossenen gleichgeschlechtlichen Ehen.
Zum anderen wird die
kalifornische Proposition 8 verhandelt werden.
Der Supreme Court spielt
seit 1878 eine wichtige Rolle bei der Positionierung zu kontroversen Fragen
rund um die Ehe. Doch inzwischen ist der
letzte große Fall viereinhalb Jahrzehnte her. In Loving vs. Virginia entschied
das Gericht, dass die Bundesstaaten nicht länger gemischtrassige Ehen verbieten
dürfen. Die Parallelen zu den jetzt anstehenden Fragen sind offensichtlich. Im
Laufe der letzten Jahre wurden immer wieder Klageschriften beim Obersten
Gerichtshof eingereicht, die sich mit zahlreichen Fragen zum Begriff der Ehe,
dem gleichberechtigten Zugang zur Ehe und der Rolle der Bundesregierung und der
Bundesstaaten bei Förderung oder Versagung von Ehe bzw. der Machtverteilung
dahingehend befassen. Doch erst jetzt wurden zwei Klagen zur Verhandlung
angenommen. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass immer mehr Amerikaner
einer Öffnung der Ehe aufgeschlossen gegenüberstehen und auch der amtierende
Präsident dies unterstützt. Der amerikanische Juraprofessor Michael Klarman von
der Harvard-University schreibt in seinem neuen Buch: “In 2012, it ist hard to
remember what a radical concept gay marriage was in 1990.”
Laut Lyle Denniston einem
Experten von ScotusBlog hat die Klage gegen Proposition 8
sehr gute Chancen positiv entschieden zu werden, wenn die Richter eine
möglichst weitgehende Entscheidung treffen wollen. Im Kern geht es dabei
nämlich um die Frage der Verfassungsmäßigkeit eines staatlichen Verbots der
gleichgeschlechtlichen Ehe. Allerdings könnten sie sich auch dafür entscheiden,
ihre Entscheidung rein auf Kalifornien zu beziehen, so dass eine landesweite
Wirkung des Urteils ausbliebe.
Die Klage von Edith Windsor gegen DOMA bezieht sich direkt auf ein Bundesgesetz und würde sich durch ein
für die Klägerin positives Ergebnis auf alle Bundesstaaten auswirken. Edith
Windsor, die ihre Ehefrau in Kanada geheiratet hatte und deren Eheschließung
per Gesetz in ihrer Heimat New York anerkannt worden war, musste sich nach
deren Tod mit der Problematik des amerikanischen Erbschaftsrechts
auseinandersetzen. Denn trotz der Anerkennung ihrer Ehe in New York, stand DOMA
dem auf Bundesebene entgegen. Während gleichgeschlechtlichen Ehepartnern Steuerfreiheit gewährt wird,
sollte Windsor 353.063 $ Erbschaftsteuer zahlen. Eine Entscheidung in diesem
Fall wird also die Bundesebene in jedem Fall beeinflussen.
Welchen der Fälle die obersten Richter auch
positiv entscheiden werden – und die Experten sind sich darüber einig, dass es
zumindest ein positives Ergebnis geben wird – im Ergebnis werden die Richter
wohl eine Entscheidung zugunsten der Gleichstellung der Ehe
fällen.
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