Dienstag, 18. Juni 2013

Meine Tage in der Psychiatie oder Ein vorsichtiger Blick über die Schulter ...

… war mein Begleiter in den letzten Tagen. Die Zeit war angekommen. Ich war in auf der „Geschlossenen“ in der Psychiatrie… naja nicht so wie ihr jetzt denkt. Nein, ich bin nicht irre geworden. Ich hatte einfach nur mein Blockpraktikum Psychiatrie zu absolvieren. Mit super viel Glück teilte man mich für die geschützte Station - wie es ganz offiziell heißt - und für die Forensik ein.
Ich hatte im Vorhinein schon einiges über die Geschlossene gehört. Eine Kommilitonin erzählte, dass es da wie in einem „Zombiefilm“ sei. Ich dachte mir: Ach, das wird schon nicht so schlimm sein. Schließlich hatte ich schon drei Tage in der forensischen Psychiatrie überstanden (siehe unten). Also sind mein Kommilitone, der auch für die Station eingeteilt war, nach unserer Mittagspause in das unscheinbare Gebäude neben dem Haupthaus gegangen und haben geklingelt. Ein freundlicher Pfleger öffnete und geleitete uns ins Arztzimmer. Schon auf dem Weg dorthin fielen uns so einige Sachen ins Auge – herunter gebogene Türklinken, unschöne Flure - ganz anders als die Flure auf den restlichen Stationen -, Patienten, die über den Flur schlichen, nicht immer adäquat gekleidet. Manche von ihnen zeigten Neugier an uns und wandten sich uns zu, andere blickten starr ins Leere.
Im Arztzimmer angekommen, wurden wir vom Arzt begrüßt. Was gleich auffiel: Er war kein Deutsch-Muttersprachler und hatte noch ein paar Probleme mit der deutschen Aussprache, was auch in der Folgezeit zu so einigen Verständnisproblemen unsererseits führen sollte. Ich habe echt keine Ahnung, wie er das mit den Patienten macht! Die verbale Kommunikation ist ja nun mal in der Psychiatrie eines der wichtigsten Mittel (neben Benzodiazepinen und Fesseln ;)).
Die erste Anweisung hieß: Kittel überziehen. Ich bin echt davon ausgegangen in der Psychiatrie trägt man keinen Kittel (hatte aber dennoch einen mit, da ich am Vormittag in der Neurologie war). Nach einer kleinen Einführung sollten wir durchstarten und zum Äußersten gehen: Wir sollten mit Patienten reden!!  Der passende Patient war auch schnell gefunden.
Also, auf zu Herrn Y, wie ich ihn jetzt mal nenne. Im Zimmer gehe ich mal gleich zu nah am fest installierten Edelstahlwaschbecken (wie in öffentlichen Toiletten) vorbei und das Wasser fängt an zu laufen, da das Teil mit einem Bewegungssensor ausgestattet ist. Das sollte mir in den folgenden Tagen noch so einige Male passieren. Was außerdem gleich ins Auge sprang, war, dass alle Betten gleich mal von vorn herein mit Fesseln ausgestattet sind…
Herr Y hatte Demenz und wir sollten nun mal herausfinden, weshalb er auf eine „Geschlossene“ eingeliefert wurde. Wir haben es zumindest versucht. Was wir herausfanden, war nicht sehr aufschlussreich, da jeder zweite Satz aus einer Form von „Ich weiß nicht“ bestand. Nach kurzer Zeit und mit ernüchterndem Ergebnis sind wir dann wieder zum Arzt. Nach weniger als einer Minute taucht hinter mir der Herr Y. in der Tür auf. Er muss uns gefolgt sein, ohne dass wir es bemerkt haben. Es ist schon leicht merkwürdig, wenn plötzlich hinter dir ein zwei-Köpfe-größerer Kerl steht und du noch nicht mal gemerkt hast, dass er dir folgt… seitdem richtete ich immer eines meiner Augen nach hinten während ich dort war.
In den nächsten Tagen sollten wir noch weitere Patienten und ihre (z.T. erschreckenden) Lebensgeschichten kennen lernen.
In der Woche zuvor war ich schon in der forensischen Psychiatrie (Einrichtung für Straftäter mit psychiatrischen oder Suchtproblemen). Das Ganze nennt sich dann Maßregelvollzug. Das Gebäude sieht entsprechend auch wie ein richtiger Knast aus. Wenn man sich „einschleust“, muss man erst einmal seinen Personalausweis abgeben. Im Gegenzug bekommt man ein kleines Alarmgerät für den Fall der Fälle, dass man sich von einem der Insassen - ach, ich meine doch Patienten - bedroht fühlt. Das ist echt ein Hightechstück. Das Teil springt nicht nur an, wenn man draufdrückt, sondern man kann auch einstellen, dass es losgeht, wenn man sich in der Waagerechten befindet oder das Befestigungsband für die Hose abgerissen wird.
Damit ausgestattet wurden wir (wir waren wieder zu zweit - darüber war ich auch dieses Mal ganz froh) von einem der Pfleger abgeholt. Musste auch so sein, sonst hätte ich mich da drin auch mehrmals verlaufen. Dazu kam noch, dass alle 10 m abgeschlossene Türen vorhanden waren, zu denen nicht immer unser Schlüssel, den wir auch bekamen, passte. (Ja ich habe mich auch gefragt, warum wir denn überhaupt einen Schlüssel bekamen, wenn er dann doch nicht überall da passt, wo er eigentlich passen sollte).
Auf der richtigen Station angekommen durften wir mal gleich bei der Visite mitgehen und so ein wenig die Patienten kennen lernen. Wir wurden sofort gewarnt doch bitte Geld und Handys aus den Hosentaschen zu räumen. Dies sind begehrte Sachen im Knast. Uns wurde außerdem angekündigt, dass wir dann auch am nächsten Tag ein Einzelgespräch mit einem der Patienten führen würden und wir sogar währenddessen die Tür vom Patientenzimmer auflassen dürften, falls wir Angst hätten… Als es dann soweit war, hatte mein Patient dann aber doch die Tür geschlossen, was mich aber auch nicht weiter störte.
Die Patienten dort waren dann doch echt normal im Vergleich zu denen auf der Geschlossenen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich ja jetzt von einem der Patienten bedroht werden könnte oder so. Das sah ganz anders auf der Geschlossenen aus. Dort hätte ich mir auch so ein kleines Alarmgerät gewünscht…

Das war’s erst einmal von mir!!

Viele Grüße
Dr. des. Knochenflicker

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