Montag, 12. Oktober 2009

Friendensnobelpreis für Obama

Am letzten Freitag saß ich gerade beim Mittagessen, als ich die Nachricht des Tages hörte. Ich dachte erst es sei ein schlechter Scherz, doch dann fragte ich mich, was sich das Nobelpreiskomitee dabei gedacht hatte, Barack Obama den Friedensnobelpreis zu verleihen. Es ist nicht so, dass ich dem amerikanischen Präsidenten den Preis missgönne, doch die von ihm ausgegebenen außenpolitischen Ziele hat er noch nicht erreicht bzw. noch nicht einmal angegangen.
Mein zweiter Gedanke war dann eine dunkle Ahnung, dass das Friedensnobelpreiskomitee schon früher Vorschusslorbeeren vergeben hat. Bei genauerer Recherche erstaunte mich, dass dies gar nicht so selten vorgekommen war. So erhielt Carl von Ossietzky 1935 den Friedensnobelpreis für seine unermüdliche Kritik an den Nationalsozialisten, obwohl er damit die politische Entwicklung nicht stoppen konnte. Erzbischof Desmond Tutu erhielt den Preis 1984 für seinen Kampf gegen die Apartheid, obwohl diese noch weitere zehn Jahre andauerte. Aung San Suu Kyi erhielt ihn 1991 für ihren Einsatz für Freiheit und Demokratie in Birma, obwohl sie seit dem unter Hausarrest steht und die Militärjunts immer noch das Sagen hat.
Das Friedensnobelpreiskomitee hat also auch in diesem Jahre wieder dem Wort den Vorzug vor der Tat gegeben. Doch was bedeutet dies für Präsident Obama? Der Friedensnobelpreis kann dem Präsidenten im schlimmsten Fall innenpolitischen Schaden zufügen. Amerikaner reagieren meist recht allergisch auf Einmischungen von außen. Und das gerade wo die Zustimmung zur Gesundheitsreform nach dem Aufstand der Republikaner im August und September zunahm und die Republikaner der Mitte begannen, die Äußerungen des Randes zu verurteilen. Diese vernunftbegabten Stimmen drohen nun wieder im Geschrei des Randes unterzugehen. Ob die Gesundheitsreform dann noch zeitnah zu Stande kommt ist fraglich.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen