Joe McCarthy war einer der bekanntesten Kommunistenjäger der 1950er Jahre. Der Terminus „McCarthyismus“ wurde zum Synonym für Demagogie, Verleumdung und Schlechtmacherei.
Joseph Raymond McCarthy (14.11.1908 - 02.05.1957) war das fünfte von sieben Kindern eines Farmers in Grand Chute/Wisconsin. Er studierte Jura und wurde mit 31 Jahren jüngster Richter seines Bundesstaates.
Mit 33 meldete er sich freiwillig zu den Marines, verließ sie jedoch fünf Monate vor Ende der Krieges, um für die Republikanische Partei um einen Senatssitz zu kandidieren. Mit der Behauptung er sei ein Kriegsprofiteur, schlug McCarthy den langjährigen Senator und Vorsitzenden der Progressive Party Robert La Follette jr. Dabei wurde McCarthy auch mit kommunistischen Stimmen gewählt, die ihn dem Antikommunisten La Follette vorzogen.
In seinen ersten drei Senatsjahren blieb McCarthy ein unscheinbarer Politiker, doch mit der Rede von Wheeling am 9. Februar 1950 trat er ins Rampenlicht. In dieser Rede bezichtigte er das Außenministerium, von Kommunisten infiltriert zu sein.
„In my opinion the State Department […] is thoroughly infested with communists. I have in my hand 205 cases of individuals who could appear to be either card carrying members or certainly loyal to the Communist Party, but who nevertheless are still helping to shape our foreign policy.“1
McCarthy revidierte diese Zahl in späteren Aussagen auf 57 und änderte sie schließlich in der Anhörung vor dem Tydings-Komitee noch einmal in 81. Dieses Komitee unter dem Vorsitz von Senator Tydings war kurz nach der Rede einberufen worden, um McCarthys Behauptungen nachzugehen. Während seiner Aussage legte der Senator jedoch keine konkreten Beweise für eine kommunistische Infiltration vor. Der abschließende Bericht des Komitees kam dann auch zum Schluss, dass es keine Hinweise auf Kommunisten im State Department gab.
Dies tat McCarthys wachsender Beliebtheit keinen Abbruch, denn mit dem Antikommunismus traf er den Nerv der Zeit. Der Eiserne Vorhang teilte Europa, China war an Mao gefallen, die Sowjets hatten gerade eine Atombombe entwickelt, Alger Hiss und Klaus Fuchs waren als Spione entlarvt worden … Eine besonders starke Basis hatte der Antikommunismus in der katholischen Gemeinde, die mehr als 20% der Stimmen auf nationaler Ebene ausmachten. Obwohl die meisten Katholiken Demokraten waren, verkehrte er bald mit den Kennedys auf freundschaftlicher Ebene. Der Patriarch der Familie, Joseph P. Kennedy, nutzte seine Kontakte, um McCarthys Kampagnen zu unterstützen.
McCarthys Angriffe auf Trumans Administration machten auch nicht vor Verteidigungsminister George Catlett Marshall halt. Marshall, Army Chief of Staff im Zweiten Weltkrieg und Architekt des Marshall-Plans, wurde von McCarthy in einer Rede beschuldigt direkt an Chinas Fall an die Kommunisten schuld zu sein. Außerdem nannte er den Minister einen Verräter und erklärte, dass […] if Marshall were merely stupid, the laws of probability would dictate that part of his decisions would serve this country’s interest.“2 Zur Höchstform lief der Senator auf, als er Marshall bezichtigte, beteiligt zu sein an einer “[…] conspiracy so immense and an infamy so black as to dwarf any previous venture in the history of man.“3
1952 war ein großes Wahljahr. McCarthy musste sich der Wiederwahl in Wisconsin stellen, die er mit dem niedrigsten Prozentanteil aller republikanischen Senatoren in diesem Jahr gewann. Im gleichen Jahr war Präsidentschaftswahlkampf und der Senator tourte mit Eisenhower durch Wisconsin. In einer Rede in Green Bay erklärte der zukünftige Präsident, er verfolge zwar die gleichen Ziele wie McCarthy, doch stimme er nicht dessen Methoden zu. Nach seiner Wahl zum Präsidenten arbeitete Eisenhower daran McCarthys Einfluss zurückzudrängen, tat dies aber nicht öffentlich, um die Einheit der Republikanischen Partei nicht zu gefährden. Er wollte nicht „[…] get into the gutter with this guy.“4
Im Laufe des Jahres 1953 verschlechterte sich das Verhältnis der beiden beträchtlich. McCarthy setzte seine Anti-Kommunismus Kampagne nun in der eigenen, der republikanischen Administration fort. Eine Reihe unbegründeter Anschuldigungen gegen aus der vorherigen Administration übernommene Mitarbeiter später, veränderte McCarthy sein Schlagwort „twenty years of treason“ in „twenty-one years of treason“, um Eisenhowers erstes Jahr im Amt mit einzubeziehen.
Im gleichen Jahr war McCarthy zum Vorsitzenden des Senate Committee on Government Operations gewählt worden. Obwohl der Mehrheitsführer Sen. Taft damit versucht hatte McCarthy kaltzustellen, ging diese Strategie nicht auf. McCarthy machte sich das Subkomitee für Untersuchungen zu eigen und begann seine eigenen Untersuchungen durchzuführen.
McCarthys Komitee befasste sich zuerst mit angeblichen kommunistischen Einflüssen bei Voice of America (VOA). Ein Teil des VOA Personals wurde in öffentlichen Anhörungen und vor Fernesehkameras befragt und musste McCarthys feindselige und falsche Anschuldigungen über sich ergehen lassen. In Folge der Anhörungen beging ein Mitarbeiter VOAs Selbstmord und so wurden diese Anhörungen zur schwärzesten Stunde in der Geschichte der Voice of America.
Als nächstes befasste sich das Subkomitee mit den überseeischen Bibliotheken der International Information Agency. McCarthys Kollege Roy Cohn reiste durch Europa und untersuchte die Kataloge der Bibliotheken auf Bücher von Autoren mit linkem Hintergrund. Nachdem McCarthy die von Cohn zusammengestellte Liste veröffentlicht hatte, musste sich das Außenministerium McCarthy beugen und lies diese Bücher entfernen.
Im Herbst 1953 begann McCarthys Komitee mit einer Untersuchung gegen die US Army. Doch nach wochenlangen Anhörungen ließ sich die Anschuldigung eines Spionagerings im US Army Signal Corps nicht aufrechterhalten.
McCarthy wandte sich anschließend dem Fall des Major Irving Peress zu, einem Mitglied der Amerikanischen Arbeiterpartei, der auf einem Standardformular zu seiner Loyalität Fragen zu seiner politischen Zugehörigkeit nicht beantwortet hatte. Peress wurde vor das Komitee zitiert, doch berief er sich auf den 5. Verfassungszusatz, um McCarthys Fragen nicht zu beantworten. McCarthy verlangte daraufhin von Peress’ Vorgesetztem ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen. Peress beantragte in Folge dessen seine sofortige Entlassung aus der Armee. General Ralph W. Zwicker kam dem sofort nach, um Peress aus McCarthys Schusslinie zu bekommen. Daraufhin zitierte der Senator General Zwicker vor den Ausschuss. Auf anraten seiner Berater weigerte sich Zwicker einige von McCarthys Fragen zu beantworten und änderte seine Antwort auf die Frage, ob er von Peress Aussageverweigerung gewusst habe, mehrfach. Anschließende Beleidigungen des Generals durch McCarthy führten zu medialer Entrüstung, die von Senatoren beider Parteien und Präsident Eisenhower unterstützt wurde.
Im Frühjahr 1954 schlug die US Army zurück. Die Armee bezichtigte McCarthy und Roy Cohn unverhältnismäßigen Druck auf Armeeangehörige ausgeübt zu haben, um ihrem früheren Mitarbeiter G. David Shine, der als Private diente, eine Vorzugsbehandlung zu verschaffen. McCarthys eigenes Komitee wurde mit der Untersuchung beauftragt und Sen. Karl Mundt, ein früheres Mitglied des HUAC (House Un-American Comittee), übernahm die Leitung der so genannten Army-McCarthy Anhörung. Die 36 Tage dauernde Anhörung wurde live im Fernsehen übertragen und hatte etwa 20 Mio. Zuschauer. 32 Zeugen später stellte das Komitee fest, dass Roy Cohn und nicht McCarthy persönlichen Einfluss im Fall David Shine genommen hatte.
McCarthys weiße Weste war ihm nicht von Nutzen, denn die extensive Fernsehübertragung hatte seiner Reputation nachhaltig geschadet. Viele Zuschauer erkannten in ihm einen einschüchternden, rücksichtslosen und unehrlichen Mann.
Für die eigene Partei wurde er immer mehr zur Bürde, die sie nicht länger zu tragen bereit waren. Im Juni 1954 brachte Senator Ralph E. Flanders eine Resolution ein, um McCarthy vom Vorsitz seines Komitees abzulösen. Obwohl viele der Senatoren disziplinären Maßnahmen gegen McCarthy zustimmten, fand die Resolution keine Mehrheit. Flanders brachte daraufhin eine neue Resolution ein, die eine Rüge gegen McCarthy aussprach. Ursprünglich bezog sich die Resolution nicht auf konkrete Handlungen McCarthys, doch schon kurz darauf wurde eine Liste mit 46 Handlungen hinzugefügt. Ein Sonderkomitee befasste sich zwei Monate mit der Resolution und empfahl schließlich zwei der 46 Handlungen McCarthys auf der Liste zu rügen. Nach weiteren Änderungen sprach der Senat am 2. Dezember 1954 eine Rüge gegen Senator McCarthy aus.
Damit war McCarthys Karriere ruiniert und der Senator war nicht mehr er selbst. Sein Biograph Fred Cook schrieb, er sei danach nur noch ein Geist seiner selbst gewesen. McCarthy, der seit Jahren ein starker Trinker war, erkrankte an Leberzirrhose und wurde mehrfach wegen seines Alkoholismus behandelt. Er starb am 2. Mai 1957 im Bethesda Navy Hospital an akuter Hepatitis.
Army - McCarthy Hearing
1 McCarthy, Joseph: Speech at Wheeling, West Virginia, February 9, 1950. in: Schrecker, Ellen: The Age of McCarthyism. A Brief History with Documents. 2. Aufl., Boston: Bedford, S. 240, 2002.
2 McCarthy, Joseph: Major Speeches and Debates of Senator Joe McCarthy Delivered in the United States Senate, 1950–1951. Gordon Press. S. 307, 1951.
3 ebd. S. 215
4 Schrecker, Ellen: The Age of McCarthyism. A Brief History with Documents. 2. Aufl., Boston: Bedford, S. 74, 2002.
Hey Beachside,
AntwortenLöschentoller Bericht!
Macht Spaß zu lesen.
Freue mich auf die nächsten Artikel!
Sam