Was war das für eine Woche! Tennis unter Ausnahmebedingungen lieferten die WTA-Championships in Doha. Die acht besten Damen und vier besten Doppel waren angetreten, um die Champions unter ihnen zu krönen. Normalerweise soll dieses Turnier noch einmal das Beste in den Spielerinnen zum Vorschein bringen, doch in der vergangenen Woche konnte davon nicht die Rede sein. Mit dazu beigetragen haben die außergewöhnlichen klimatischen Bedingungen. Hitze von um 30°C sind die Spielerinnen gewöhnt, denn von den Australian Open kennt man schlimmeres. Doch eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 80% ist einfach zu viel! Kein Wunder also, dass die Hitzeregel, die nach dem zweiten Satz eine zehnminütige Pause vorsieht, in der vergangenen Woche häufig zum Einsatz kam. Natürlich liegt dies auch daran, dass die Damen in der Woche von Doha ungewöhnlich oft über drei Sätze gehen mussten. Viele der Matches dauerten deshalb auch mehr als zwei, eher schon drei Stunden. Da sollten doch nun auch die letzten Kritiker des Damentennis verstummen!
Doch was nützt das alles, wenn die Qualität des Tennis auch schon mal besser war. So viele Breaks wie in dieser Woche habe ich noch nie gesehen, mal abgesehen davon, dass die jungen Spielerinnen und hier meine ich vor allem Caroline Wozniacki zwar fantastisches Grundlinientennis spielen können, aber noch lernen müssen, effizienter zu spielen und die Ballwechsel zu verkürzen. Es kann nicht sein, dass man sich bei so einer Hitze auf lange Rallyes einlässt.
Bei so langen Matches ist es kein Wunder, dass auch die Physiotherapeutin reichlich zu tun bekam. Merkwürdigerweise gab es bei diesem Turnier nur eine einzige Physiotherapeutin, die bei allen Matches eingesetzt wurde. Das allein ist schon fragwürdig, denn es gab auch Situationen in denen beide Spielerinnen gleichzeitig nach Behandlung verlangten. Für diejenige, die dann zuerst behandelt wird, bedeutet dies meines Erachtens einen unfairen Vorteil. Hier sollte sich der Veranstalter mal fragen, ob es tatsächlich soooo wichtig ist ein fantastisches Rahmenprogramm zu liefern und dafür auf ausreichend medizinisches Personal zu verzichten.
Doch zurück zu den vielen Verletzungen. Das Klima mag einiges dazu beigetragen haben, dass fast Jede nahe vor Krämpfen stand oder sie wie Caroline Wozniacki bekam. Es war wirklich nicht schön mit anzusehen, wie sich die 19jährige an den linken Oberschenkel griff und mit schmerzverzerrtem Gesicht wie vom Blitz getroffen zu Boden ging und sich kaum noch rühren konnte. Dann auch noch das Match gegen Vera Zvonareva zu gewinnen, kam einer übermenschlichen Leistung gleich. Hut ab kann ich dazu dennoch nicht sagen, denn mit ihrem Verhalten – ich meine damit, nicht rechtzeitig aufzugeben – riskierte sie in entscheidendem Maße ihre Gesundheit. Nicht nur, dass ihr linker Oberschenkel ihr ohnehin in dieser Saison immer wieder Probleme machte, sondern, dass sie sich im Halbfinale gegen Serena Williams eine Bauchmuskelzerrung zuzog – eine Verletzung, die auch schon bei anderen Spielern ganz gern ein Eigenleben entwickelte und schlecht abheilte. Außerdem will die junge Dänin sicherlich auch noch ein paar Jährchen spielen. Da sollte sie etwas besser auf ihren Körper achten.
Die Verletzungsserie ging in dieser Woche so weit, dass die beiden Ersatzspielerinnen zum Einsatz kommen mussten. Nachdem Dinara Safina wegen Rückenschmerzen aufgeben musste – sie hatte sich in den letzten Wochen immer wieder fit spritzen lassen müssen - kam für sie Vera Zvonareva, die in ihrem Match gegen Caroline Wozniacki nicht nur wegen plötzlichen, starken Nasenblutens, sondern auch wegen Problemen an der Hüfte behandelt werden musste. Nachdem auch sie zurückgetreten war, erhielt Agnieszka Radwanska ihren Platz und durfte auch noch ein Match bestreiten.
Ob es wohl auch am Klima lag, dass die Linienrichter so oft wie selten mit ihren Entscheidungen daneben lagen? Ich habe noch nie so viele Hawkeye-Korrekturen wie in dieser Woche gesehen. Und dabei ist es eine bekannte Tatsache, dass die Damen seltener als die Herren mit ihren Challenges richtig liegen. Das ist also eindeutig ein Problem mit dem sich die WTA noch einmal auseinander setzen sollte.
Die Linienrichter waren aber nur die Spitze des Eisbergs. Was war mit den Balljungs los? Hat man aus dem letzten Jahr denn gar nichts gelernt und wieder männliche Models engagiert? Selbst wenn dies so sein sollte, hätte der Veranstalter für eine gute Ausbildung der Balljungs sorgen können. Es darf einfach nicht geschehen, dass im Finale des Turniers zwischen Serena und Venus Williams (Ja, es war das 24. Aufeinandertreffen der beiden Schwestern, gähn.) nach einem Seitenwechsel Serena ihren Aufschlag unterbrechen muss, weil ein Balljunge vergessen hat Venus’ Handtuch rechtzeitig auf die andere Seite zu bringen. Genauso unverständlich war es, dass die Balljungs anscheinend nicht darüber informiert waren, dass Jelena Jankovic sich immer nur Bälle von der Einstandseite gegeben lässt (Okay, ich gebe zu, das ist ein Luxusproblem.). Ich verlange ja gar nicht, dass die Balljungs in Doha ein ebenso rigoroses Auswahl- und Ausbildungsprogramm durchlaufen sollen wie bei den French Open oder in Wimbledon. Doch diese Probleme trüben den Eindruck eines Turniers, das inoffiziell der fünfte Grand Slam des Jahres sein soll.
Wenigstens hatte man für die besten Tennisspielerinnen auch die besten Stuhlschiedsrichter engagiert. Lynn Welch, im 16. Dienstjahr bei der WTA, Eva Asderaki, der 27jährige „Shootingstar“ in der Schiedsrichterszene und Kader Nouni, der Lenny Kravitz der WTA, hatten alle Hände voll zu tun, die Entscheidungen der Linienrichter zu korrigieren. So oft wie in dieser Woche habe ich Eva Asderaki jedenfalls noch nie sagen hören: „Correction. The ball was … Replay the point.“ Die Auftritte der drei versöhnten mich wieder mit den eben aufgezählten Problemen in der letzten Tourwoche der WTA in diesem Jahr.
Bevor ich es vergesse: Herzliche Glückwünsche an Serena Williams, die zum zweiten Mal die WTA-Championships für sich entscheiden konnte und an das Duo Nuria Llagostera Vives/ Maria Jose Martinez Sanchez, die den Titel nach Spanien holten.
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