Dienstag, 20. März 2012

Gore Vidal: Burr

Präsident der USA, General der Revolutionsarmee, Eroberer von Quebec und Kaiser von Mexiko – das war Aaron Burr nicht. Vielmehr wurde er „nur“ US-Vizepräsident, Senator, in das Exil verbannter Hochverräter, des Inzests Angeklagter und fast vergessener Gründervater der USA. Gore Vidal widmete diesem Anti-Helden einen Roman, der ihn zu einem, nur einen Wimpernschlag von der Position des wichtigsten Amerikaners des 19. Jh. entfernten Menschen macht.
„Where there is law, I fear no man.”

Den meisten US-Amerikanern ist Burr nur als der Mann bekannt, der Alexander Hamilton 1804 im Duell erschoss. Die Geschichte stilisierte Hamilton zum Märtyrer und machte aus Burr eine Kuriosität der menschlichen Evolution. Im engeren Sinne kann man daher Vidals Roman auch als eine geschichtliche Verteidigung oder Rechtfertigung von Burrs Lebensweg verstehen.
Wie alle historischen Romane Vidals besticht auch dieses Werk durch seinen präzis und akribisch recherchierten Hintergrund. Bemerkenswert ist, dass Vidal dabei fast vollständig ohne fiktive Personen auskommt. So sind nur Charles Schuyler, der Haupterzähler und Vater der Familie Schuyler-Sanford, die sich durch fast alle Romane der Reihe zieht, und William de la Touche Clancey, der „Tory-Sodomit“, der wohl auf der Person des Journalisten William F. Buckley beruht, fiktive Gestalten.
Geschildert wird die Lebensgeschichte Burrs im Erzählzeitraum von 1833-1836. Dabei erzählt hauptsächlich Burr sein Leben selbst in Form von Rückblenden. Der Leser erlebt den „inkompetenten“ General George Washington ebenso wie den „Heuchler“ Thomas Jefferson, der Zeugen bestach um eine Verurteilung Burrs wegen Hochverrat zu erwirken.

“Between the dishonest canting of Jefferson and the poisonous egotism of Hamilton, this state has been no good from the beginning. . . . But I can assure you that that early republic of ours was no place for a man who wanted to live in a good world …”



Im Hauptplot des Buches versucht Charly Schuyler der Frage auf den Grund zu gehen, ob Vizepräsident und Präsidentschaftskandidat Martin Van Buren der illegitime Sohn Burrs ist. Schuyler, der eigentlich damit befasst ist, Burrs Biografie zu verfassen, lässt sich nach und nach die Lebensgeschichte des Gründervaters von ihm selbst erzählen.
Lest selbst!

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