Freitag, 4. Mai 2012

Hüften sind Schwerstarbeit

Unter diesem Motto stand der letzte Programmpunkt auf meinem OP-Plan. Ich sollte die 2. Assistenz bei dem Einsetzen einer Hüft-Totalendoprothese (HTEP) übernehmen. Bis jetzt war ich ja nur bei Knie-TEPS dabei. Die sind relativ chillig und im Vergleich nicht so richtig körperlich anstrengend für die 2. Assistenz.
Aber bevor ich in den OP sollte, hieß es erst einmal „Babys schallen!“. Das soll bedeuten, dass wir einige Neugeborene in unserem Krankenhaus auf eine Hüftdysplasie untersuchen. Beim ersten Baby hat der Arzt es noch einmal vorgemacht um mich beim zweiten Baby dann gleich ins kalte Wasser zu werfen und mir die Untersuchung zu überlassen. Also schnappte ich mir das Baby und untersuchte es zunächst einmal körperlich (mit ein wenig Unterstützung meines erfahrenen Kollegen) um dann im zweiten Schritt zum Ultraschallkopf zu greifen und die Hüfte zu schallen. Man mag es gar nicht glauben, aber wenn man weiß was man suchen muss, klappt es sogar relativ schnell verwertbare Bilder zu bekommen.

Danach hieß es dann: Ab in den OP! Die Hüfte wartet! Als ich ankam war der Patient schon narkotisiert und wurde gerade für die OP richtig gelagert. Erst bekamen die Operateure ihre sterilen Mäntel, dann ich. Ich sollte aber zusätzlich noch etwas namens „Känguru-Beutel“ bekommen. Was sich so viel versprechend anhört stellte sich als ein steriler Müllsack heraus, der mir unter die Brust geklebt wurde. Mir schwante Böses! Sollte ich etwa als lebender Mülleimer fungieren???? Nein, glücklicherweise nicht. Der Känguru-Beutel sollte etwas mit der folgenden, schweißtreibenden Arbeit zu tun haben.
Nachdem alle mit allem, was sie so für die OP brauchten präpariert waren, konnte es losgehen. Es wurde zunächst einmal bis zum Knochen bzw. Gelenk herunter präpariert. Und dann begann es. Ich sollte den Oberschenkel nach außen rotieren. Hört sich leicht an, aber wenn man das eine etwas längere Zeit machen muss, dann wird es sehr, sehr anstrengend.
Irgendwann kam dann auch mein Känguru-Beutel zum Einsatz. Der Oberschenkel sollte waagerecht liegen und der Unterschenkel sollte senkrecht zum Boden hängen. Um den Unterschenkel beim Herunterhängen lassen nicht unsteril zu machen, steckt man ihn in besagten Beutel. Das war des Rätsels Lösung!
In dieser OP sollte ich dann noch eine essentielle Fähigkeit für die HTEP-OP lernen, nämlich das Reponieren und Luxieren (Aus- und Einrenken) von Hüften, was ich dann auch auf Anhieb schaffte.
Nachdem ich schließlich aus dem OP kam, war ich zum ersten Mal in meiner zugegebenermaßen noch nicht lang andauernder OP-Karriere klitschnass geschwitzt. Ihr müsst bedenken, dass wir ja nicht nur OP-Mäntel tragen, sondern darunter auch noch Bleischürzen, weil man zwischendurch röntgenologische Lagekontrollen machen muss. Die Bleischürze führt dann zu so einem richtigen Saunagefühl…
Am Ende der OP wurde mir dann noch vom Oberarzt aufgetragen, doch endlich mal Knoten für die Naht knüpfen zu lernen. Intraoperativ versuchte man mir das schon beizubringen, aber entweder war ich zu begriffsstutzig oder der 1. Assistent, der mir das zeigte, war zu schnell mit seinen Fingern unterwegs. Ich denke, es hat an beidem gelegen. Netterweise stattete mich der OA dann auch mal gleich mit ein bisschen Infomaterial zu diesem Thema aus.
Also machte ich mich gleich mal dran um mich ein wenig in meinen Medical Skills weiterzubilden. Ein Schnürsenkel (stellt den Faden dar) und eine Stuhllehne war schnell gefunden. Trotz Anleitung mit Bild und Schrift raffte ich aber leider immer noch nicht wie es gehen sollte. Ich war schon leicht am verzweifeln, aber dann zeigte sich doch endlich Licht am Ende des Tunnels und ich hatte meinen Fehler gefunden. Und siehe da der Knoten war fertig:

Überkreuzter Knoten, Einhandtechnik
Die Kunst wird jetzt darin bestehen, dies auch im OP, wenn alle Blicke auf meine Hände gerichtet sind, zu realisieren.
Ich gehe dann jetzt mal üben!

Beste Grüße
Dr. des. Knochenflicker

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