Sonntag, 13. Mai 2012

Präsident Obama unterstützt Homo-Ehe

Was ein ruhiger Sonntag für die demokratischen Wahlkampfstrategen hätte sein sollen, führte am letzten Wochenende wohl eher zu Ohnmachtsanfällen und überhitzten Telefonleitungen. Und schuld daran war ganz allein Vizepräsident Joe Biden. Es fing alles ganz harmlos an. Joe war zur NBC-Sendung „Meet the Press“, die etwa unserem „Presseclub“ am Sonntagmittag im ZDF entspricht, eingeladen, um über das Wahljahr zu sprechen. Nur hätte man vielleicht darauf achten sollen, den als Quasselstrippe bekannten Joe nicht mit ein paar renommierten Journalisten alleine zu lassen!

Kein Wunder, dass er nach seiner Meinung zu gleichgeschlechtlichen Ehen gefragt, eine ehrliche Antwort gab. „Er fühle sich ‚absolut wohl’ bei dem Gedanken, dass homosexuelle Paare ‚die gleichen Rechte’ erhielten wie heterosexuelle Paare.“1 Kaum war die Sendung zu Ende, brach ein wahrhaft journalistischer Sturm aus. Während die Wahlkampfzentrale das ganze herunterzuspielen versuchte und weiter an der unbestimmten Haltung des Präsidenten festhielt, ließen die Journalisten nicht locker und auch die Republikaner witterten ein neues Wahlkampfthema. „Mehr als 50 Mal wurde Obamas bemitleidenswerter Sprecher Jay Carney in der Pressekonferenz am Montag zu dem Thema befragt und musste immer neue Wortgirlanden erfinden, um nichts Substanzielles zu sagen. Das gleiche Spiel wiederholte sich am Dienstag.“2 Obama wurde nun von allen Seiten zu einer klaren Aussage gedrängt. Doch erinnern wir uns bitte an das gute, alte Sprichwort: Taten sagen mehr als Worte. Unter diesem Gesichtspunkt fasste Rachel Maddow am Donnerstag, 09.05.2012, die Politik der US-Regierung unter Obama zusammen. Neben der Aufhebung von Don’t Ask, Don’t Tell wurden auch Leistungen für gleichgeschlechtliche Partner von Angestellten der Exekutive ausgeweitet, das Gesetz gegen Hassverbrechen wurde verabschiedet, das Problem der Besuchsrechte in Krankenhäusern wurde gelöst, das Reise- und Immigrationsverbot für HIV-Infizierte wurde aufgehoben, die Bundesbehörde zur Förderung des Wohneigentums wurde angewiesen, die sexuelle Orientierung von Antragsteller für Darlehen zu ignorieren, der Zensus wurde ausgeweitet, um auch homosexuelle Paare zu erfassen, alle Behörden, die mit anderen Staaten zusammenarbeiten wurden angewiesen, sich zu vergewissern, dass dort humanitäre und diplomatische Anstrengungen unternommen werden, um die Rechte Homosexueller zu schützen, Bundesstaaten, die homosexuelle Paare fördern wollten wurden zumindest nach dem Inkrafttreten der Homo-Ehe in New York unterstützt.
Diese Verhalten spricht doch für sich, doesn’t it?
Aber dann sind da ja auch noch die Wahlkampfspender und Spendensammler, ohne die eigentlich nur wenig geht. Laut der Washington Post ist jeder sechste Spendensammler, der mehr als 500.000 Dollar zusammenbringt, homosexuell.3
Und so verwundert es nicht, dass der amtierende Präsident am Mittwoch, 09.05.2012, ein Fernsehteam der ABC-News zu einem interview lud. Darin betonte er, dass gleichgeschlechtliche Ehen legal sein sollten.
2008 hatte Obama als Präsidentschaftskandidat noch jegliche Aussage zu dem Thema verweigert, und auch jetzt hätte es sie wohl auch nicht gegeben, wenn nicht geschehen wären, was geschehen ist.
Rachel Maddow berichtete am Mittwoch wie folgt darüber:

Für Obama folgte auf diese Krise am Donnerstag ein Spenden-Dinner in George Clooneys Villa im Laurel Canyon/Ca. 150 Gäste wurden von einer Anti-Terror-Einheit und Polizei-Hubschraubern geschützt. Unter ihnen waren Billy Crystal, Salma Heyek, Barbara Streisand und Tobey Maguire, die alle 40.000 Dollar je Platz bezahlten. Trotz dieser stolzen Summe brachten die Promis nur 1/3 der Gesamtsumme des Abends auf. Der Rest kam aus einer Email-Kampagne, bei der Lose für 3 Dollar für einen Platz beim Dinner verkauft worden waren. Gewonnen hatten eine Lehrerin und eine Angestellte.
Währenddessen greift diese Geschichte auch auf Mitt Romney über. So wurde bekannt, dass er 1965 einen homosexuellen Mitschüler zusammen mit einigen Kumpels, die langgewachsenen blondierten Haare abgeschnitten haben soll. Während seine Mittäter den Vorfall bestätigen, kann sich Romney daran „natürlich“ nicht erinnern. Welche Auswirkungen diese Enthüllung auf den Wahlkampf haben wird bleibt abzuwarten.

1 http://www.sueddeutsche.de/politik/obama-befuerwortet-homo-ehe-riskantes-bekenntnis-von-historischer-groesse-1.1353428
2 ebd.
3 ebd.

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