Freitag, 18. Mai 2012

Wozu man seinen Musculus deltoideus braucht

Während meiner Famulatur sollte ich neben Hüfte und Knie operativ noch ein neues Gelenk kennen lernen - die Schulter. Zunächst einmal wurde eine Arthroskopie gemacht und später musste das Gelenk dann aber doch eröffnet werden. Jetzt war ich dran! Also ging ich mich waschen… kam wieder und wurde zu Tisch gebeten ;). Es hieß mal wieder Haken halten - aber ich war es ja gewohnt. Wir hatten eine Wunde, die knappe 5 cm groß war und als Arbeitsfläche von 3 Personen dienen sollte. Da könnt ihr euch vorstellen, dass ich als 2. Assistentin mal wieder den schlechtesten Platz abbekam. Also machte ich mich an die Arbeit und übernahm den ersten Haken. Nur leider war der Winkel, in dem ich den Haken halten musste so besch…, dass ich schon nach einigen Minuten richtig schöne Schmerzen im Arm hatte - ich dachte er würde gleich abfallen.

Aber das sollte nicht das Ende sein. Irgendwann hieß es, dass ich doch mal richtig ziehen sollte um noch bessere Sicht auf eine gerissene Sehne zu erlangen. Ich zog und zog und wusste bald nicht mehr wohin ich ziehen sollte. Schließlich kann man so eine Wunde auch nicht bis ins Unendliche dehnen. Zwischendurch gingen dann auch mal vereinzelt Nadeln in der Wunde verloren, die natürlich alle wiedergefunden und entfernt werden mussten, was für mich zusätzliche Haltearbeit bedeutete. Und ich dachte immer nur so bei mir: „Nu mach doch hinne!“
Aber nicht nur mir ging es so. Auch der Operateur musste zwischendurch für den 1. Assistenten mal einen Haken halten. Und er sagte dann nach wenigen Minuten so etwas Ähnliches wie: „Mach hinne, mein Arm fällt gleich ab!“. War ich froh, dass es nicht nur mir so ging, sondern auch gestandenen Männer!
Irgendwann hatte es endlich ein Ende und ich wurde entlassen. Aber es sollte nicht lange dauern, da war der nächste Patient bereit für die gleiche OP und ich war wieder 2. Assistentin. Die ganze Tortur begann von vorn!!! Anschließend hatte ich einen schönen Muskelkater in meinem Musculus deltoideus, wie ihn mir nur wenige Trainingseinheiten bei Tennis, Taekwondo und Co. eingebracht haben.
Am Wochenende machte ich mich dann auf, um die Fahrradhauptstadt Deutschlands zu Fuß zu erkunden - Münster. Ich hatte zwar nicht so schönes Wetter erwischt, aber es sollte trotzdem ein ganz interessanter Tag werden, den ich mit einer Stadtführung begann. Was ich dabei erfuhr, hat mich echt vom Hocker gehauen: Jeder Münsteraner besitzt im Durchschnitt zwei Fahrräder - die Einen mehr, die anderen weniger. So hat ein Kollege der Stadtführerin doch tatsächlich fünf Fahrräder und hat sich gerade noch eins dazu gekauft - ein Rennrad, ein Fahrrad, mit dem er die Kinder ausfahren kann, ein Mountainbike…. Entsprechend könnt ihr euch vorstellen, dass die Kriminalität hinsichtlich Fahrraddiebstähle exorbitant hoch ist. Dafür wurde extra eine „Soko Speiche“ eingerichtet. Da die Erfolgsrate dieser Soko unter 20 % (wenn ich mich richtig erinnere) liegt, sind natürlich alle unzufrieden.
Nichtsdestotrotz fahren die Münsteraner sehr gerne Fahrrad. Bemerkenswert fand ich, dass wirklich alles, was ich von Münster gesehen habe, auf Fahrradfahrer ausgerichtet ist. Das würde ich mir für Rostock auch mal wünschen. Vor allem ist in der Altstadt nicht so viel Autoverkehr. Dafür muss man allerdings aufpassen, dass man nicht von den vielen Fahrradfahrern über den Haufen gefahren wird.
Nach der Stadtführung besuchte ich dann das Münsteraner Schloss und den Botanischen Garten. Im Botanischen Garten hat man leider nur die Frühblüher blühen gesehen und die Pflanzen in den Gewächshäusern. Zugegebenermaßen war mein Besuch dort etwas zu früh im Jahr, aber trotzdem war es sehr schön - vor allem weil ich einige meiner stacheligen Freunde dort gesehen habe…



…ja Kakteen (optimal für jeden Medizinstudenten - brauchen wenig Wasser, Pflege und Zuwendung ;))


Bis bald
Eure Dr. des. Knochenflicker

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