Nach dem beinahe-Desaster am Flughafen konnte es so richtig losgehen. Nach 4 Stunden warten und dem wundervollen Gefühl, dass mein Trommelfell gleich platzt, kamen wir in Rom-Fiumicino an. Langsam gingen wir dann zum Gepäckband. Nach einer halben Stunde setzte dieses sich dann auch endlich mal in Bewegung. Ja, ja die Italiener und ihre Arbeitsmoral, dachten wir uns. Es sollte noch dicker kommen. Nach einer weiteren Stunde hatten dann auch meine vier Mitstreiterinnen ihren Koffer. Nur meiner wollte und wollte nicht auftauchen.
Nach einer
weiteren halben Stunde des Wartens, als dann auch schon alle unsere
Mitreisenden ihre Koffer hatten, bemühte ich mich - immer nach auf meinen
Koffer hoffend - zum Gepäckverlust-Schalter (oder wie auch immer das heißt).
Ich war nicht allein. Eine Menge von etwa 20 wütend schimpfenden Italienern und
anderen Nationalitäten waren mit mir dort. Schnell begriff auch ich das Prinzip
dieses Schalters. Da war nichts mit Anstellen in einer Schlange. Man drängelte
vor. Ich tat es ihnen gleich (obwohl ich ja eigentlich gar nicht der Typ dafür
bin). Neben mir stand ein wild gestikulierender Mann, der auf Italienisch auf
einen Flughafenmitarbeiter einredete. Er tat das so wild, dass ich dachte, ich
würde in den nächsten Minuten garantiert in eine Massenschlägerei verwickelt
werden. Denn - da war ich mir sicher - die umstehenden Wartenden würden
mitmachen. Endlich mein Anliegen einer netten Mitarbeiterin erklärt, wurde mir
mitgeteilt, dass mein Koffer nicht im System auffindbar und auch gar nicht in
Rom angekommen sei. Da war es vorbei mit meiner Hoffnung. Ich hatte mich schon
darauf eingestellt, dass ich sämtliche kostbaren Schätze im Koffer nie wieder
sehen würde. Und das am ersten Urlaubstag! Niedergeschlagen machte ich mich mit
den Mädels auf zum nächsten Drugstore. Das war der Versuch wenigstens die
nötigsten Badartikel zu horrenden Preisen zu erwerben. Aber nein, warum sollte
ein Drugstore am Flughafen, denn auch Tampons verkaufen?? Dieser Laden hielt
eindeutig nicht das, was sein Name vermuten ließ. Aber statt Tampons konnte man
dort Pasta, Wein und Reisezahnbürsten erwerben. Als wir dann auch unser Abendbrot
- die Pasta - gekauft hatten, versuchten wir ein genügend großes Taxi zu
finden, was sich auch nicht als so einfach aufwies. Aber wir hatten Glück, da
wir ja nun mit einem Koffer weniger unterwegs waren, hat uns eine nette
Taxifahrerin in ihr 6-Sitze-Auto gequetscht. Um 9 Uhr Abends konnten wir dann
auch endlich unser Domizil für die nächsten Tage etwas außerhalb von Rom beziehen.
Wir hatten eine Ferienwohnung in einem kleinen Dorf namens Arrichia gemietet.
Szenenwechsel: Es ist der 4. Tag unserer Reise. Mein Koffer ist immer noch
nicht wieder aufgetaucht. Aber dafür konnte ich in einem ordentlichen Laden
endlich Tampons kaufen. Und nach längerer Suche hatte ich sogar Damenrasierer
gefunden. Ich weiß ja nicht womit Frau sich in Arrichia die Haare entfernt oder
ob Frau das überhaupt tut, aber es gab dort einfach keine Rasierer. Noch nicht
einmal Männerrasierer hatten sie im Supermarkt.
Aber zurück zum Abend des 4. Tages. Der nette Roberto (er sah eindeutig
nicht wie ein Roberto aus) - er vermietet zusammen mit seiner Frau die
Ferienwohnungen - hatte uns wie jeden
Abend vom nahegelegenen Bahnhof in Cecchina abgeholt. Wir machten uns gerade
vom Parkplatz der Ferienanlage auf zu unserer Eingangstür, da rief er: „Valigia!
Valigia!“. Wir schauten uns alle fragend an. Er zeigte auf das kleine
Rezeptionshäuschen. Ok, langsam tauchte meine Hoffnung wieder aus der
Versenkung auf. Nicht nur die Hoffnung kam aus der Versenkung sondern auch
meine rudimentären Französisch-Kenntnisse. Hieß Koffer im Französischen nicht
„Valise“?? Ich hatte eine leise Ahnung… Und endlich. Ja da war er. Mein
geliebter Koffer. Das war einer der besten Tage der Semesterferien.
Am Ende des Urlaubs musste ich mich natürlich wieder von meinem Koffer
trennen. Wenn so ein Koffer schon verloren geht bei der vollen
Durchorganisiertheit in Deutschland und so einem kleinen Flughafen
Berlin-Tegel, wie sollte das denn erst am siebtgrößten Flughafen Europas
werden?? Aber ich musste ihn ja abgeben.
Stunden später in Deutschland kamen wir vom Rollfeld in die Halle mit den
Gepäckbändern. Mich beschlich Angst. 5 Minuten warten, das Gepäckband setzte
sich in Gang. Weitere 5 Minuten später: Wir hatten alle unsere Koffer. Ich
hatte ein fettes Grinsen auf dem Gesicht. Dies aber nicht nur weil ich meinen
Koffer in der Hand hatte, sondern auch weil es in Deutschland alles so herrlich
schnell funktioniert.
Eure Dr. des. Knochenflicker
PS.: Die 4 Tage ohne Koffer waren mal wieder Survival-Training. Ein großer
Dank geht aber an meine Mädels, die mich mit allem versorgt haben, was ich so
brauchte.
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