Es ist schon fast makaber, dass die AOK-Studie zur zunehmenden Verbreitung von Suchtmitteln am Arbeitsplatz nur wenige Tage nach dem tragischen Tod eines deutschen Praktikanten der Bank of America in London erscheint. Eben jener Praktikant, der sich dort im wahrsten Sinne zu Tode gearbeitet hat, ist das beste Beispiel für den zunehmenden Stress, den viele meinen nur noch mit Zigaretten, Alkohol oder Tabletten begegnen zu können.
Der 21-jährige, Wirtschaftstudent an einer Privatuni mit Auslandssemester in den USA und diversen Praktika bei renomierten Unternehmen, wurde letzte Woche in seiner Studenten-WG in London tot aufgefunden. Er soll innerhalb von zwei Wochen acht Mal 24 Stunden am Stück gearbeitet haben, so auch die drei Tage vor seinem Tod. Dieses 24-Stunden-System wird "The magic roundabaout" genannt und bedeutet 24 Stunden zu arbeiten, dann in ein Taxi zu steigen nachhause zu fahren, während das Taxi wartet zu duschen und frische Wäsche anzuziehen und dann zurück zur Arbeit zu fahren. Die Kritk an der Londoner Bankencity ist nun groß. So heißt es beispielsweise bei tagesschau.de: "Kritiker dieses Systems sagen inzwischen, dass junge Leute heute
verzweifelt um Jobs kämpften und die Arbeitgeber in der City das
ausnutzten. Manche setzten die Praktikanten so stark unter Druck, dass
es völlig unverantwortlich sei."
Da sollte die heute erschienene Studie der AOK wirklich nicht mehr erstaunlich sein. Laut Studie stiegen die Fehlzeiten von Arbeitnehmern auf Grund von Suchtmitteln von 2,07 Mio. im Jahr 2002 auf 2,42 Mio. 2012. Das ist ein Plus von 17%.
Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass diese Zahlen wirklich kein Wunder sind. Der Arbeitsmarkt ist hart und die Chefs noch härter. Immer mehr Arbeit soll mit immer weniger Personen in immer weniger Zeit erledigt werden. Dass dies auf Kosten des "Humankapitals" geht, scheint niemanden zu interessieren.
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